Belastungsinkontinenz

Der Urinverlust tritt hauptsächlich beim Heben von Gegenständen, Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen, Treppensteigen, Niesen, Husten oder Lachen auf. Die Belastungsinkontinenz des Mannes tritt typischerweise in der Folge eines operativen Eingriffes oder einer Bestrahlung im Bereich der Prostata auf. Die häufigste Ursache für eine Belastungsinkontinenz des Mannes ist eine radikale Prostatektomie (Totalentfernung der Prostata bei Prostatakrebs). Aber auch nach anderen Prostataoperationen kann die Belastungsharninkontinenz auftreten.

Diagnostik
Als Ihre behandelnden Ärzte müssen wir den Ort und das Ausmaß der Schließmuskelschädigung kennen. Mit Hilfe einer Kombination der folgenden Untersuchungsmethoden machen wir uns hiervon ein genaues Bild: Abtastung sowie Ultraschall von Prostata und Schließmuskelregion, Blasenspiegelung und Röntgenuntersuchung. Manchmal kann auch eine Kernspintomographie oder eine Blasendruckmessung hilfreich sein.

Therapieformen

Therapie nach Prostataoperationen |
Ursache der Harninkontinenz nach einer radikalen Prostataoperation (bei Prostatakrebs) ist eine Schwäche des Schließmuskels, zum Beispiel weil der Muskel oder seine stabilisierenden Bänder bei der Operation geschädigt wurden oder weil der Blasenhals jetzt nicht mehr von der Prostata unterstützt wird. Die Behandlung erfolgt zunächst im Rahmen der Rehabilitation durch Vorlagen, Medikamente und Beckenbodentraining. Sollte die Inkontinenz damit nicht in den Griff zu bekommen sein, kann je nach Patient und Befunden ein operatives Verfahren in Betracht kommen. Folgende Möglichkeiten stehen hierfür am Klinikum Garmisch-Partenkirchen zur Verfügung:

Einbringen von Füllmaterial über die Harnröhre | Eine Einengung der Schließmuskelöffnung kann durch Unterspritzung der Schleimhaut mit einem gelartigen Füllmaterial eine Verringerung des Harnverlustes erzielen. Dies ist der einfachste Eingriff, seine Erfolgsaussichten sind jedoch geringer als bei anderen Verfahren.

Anhebung und Einengung der Harnröhre mit einer Schlinge (Band-OP) |
Eine Operation der Prostata führt nicht zwangsläufig zu einer direkten Schädigung des Schließmuskels. Oftmals wird dem Schließmuskel durch Beeinträchtigung der anatomischen Unterstützung von Bändern und Muskeln die erforderliche Stabilität entzogen.

In diesen Fällen kann die entstandene Lockerung und so verursachte Inkontinenz einfach und mit einem relativ kleinen Eingriff behoben werden. Ein geflochtenes Kunststoffband wird hierbei vom Damm aus über einen kleinen Hautschnitt um die Harnröhre platziert und Richtung Sitzbein geführt. Damit wird die Harnröhre leicht einengt und in ihre frühere Position verlagert. Der Schließmuskel kann wieder seine volle Kraft entfalten.

Bei schweren Fällen der Harninkontinenz nach Prostata-Operationen mit Verlust hoher Urinmengen (z.B. auch im Liegen) kann dieses System aber in der Regel nicht eingesetzt werden.

Einpflanzen eines künstlichen Schließmuskels (Artifizieller Sphinkter) |
Dies ist das effektivste Verfahren zur Behandlung der Belastungsinkontinenz nach radikaler Prostatektomie. Seit mehr als 20 Jahren steht uns dieses System zur Verfügung, dessen Wirksamkeit und Sicherheit durch viele Studien belegt ist. Es wird in unserer Fachabteilung Urologie regelmäßig eingesetzt und besteht aus einer Manschette um die Harnröhre, einem kleinen Ballon unter der Haut und einer Pumpe im Hodensack, mit der der Patient zum Wasserlassen Flüssigkeit von der Manschette in den Ballon pumpen kann.

Die Erfolgsrate ist sehr hoch, aber auch dieses Verfahren ist nicht für jeden Patienten geeignet. In einer aufwändigen Voruntersuchung mit eingehendem Gespräch ermitteln wir das geeignete Verfahren für jeden unserer Patienten.

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