Harnblasenkarzinom

Das Harnblasenkarzinom stellt 2% aller bösartigen Tumoren des Menschen dar. Jährlich erkranken hieran in Deutschland ca. 15.000 Menschen. Männer sind etwa dreimal häufiger als Frauen betroffen. Beim Harnblasenkrebs muss streng zwischen dem oberflächlichen und dem tiefen, dem sogenannten muskelinvasiven Tumor unterschieden werden. Die Aggressivität der Tumorerkrankung und die Therapie unterscheiden sich hierbei deutlich. Der oberflächliche Tumor kann unbehandelt in den muskelinvasiven Tumor übergehen. Bei Erstdiagnose haben etwa 75% der Patienten ein oberflächliches Harnblasenkarzinom, 20% einen muskelinvasiven Tumor und 5% ein bereits fortgeschrittenes Stadium mit Bildung von Tochtergeschwülsten in Organen wie z.B. Lunge, Leber, Knochen, Gehirn oder Lymphknoten.

Häufigstes Symptom ist das schmerzlose Auftreten von sichtbarem Blut im Urin (Makrohämaturie). Ferner können Beschwerden wie Brennen beim Wasserlassen und gehäufter Harndrang hinzukommen. In einigen Fällen kann ein Blasentumor aber auch gar keine Beschwerden verursachen und wird nur als Zufallsbefund, z.B. im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung, entdeckt.

Diagnostik
Neben einer Untersuchung des Urins und einer Ultraschalluntersuchung von Nieren und Harnblase ist zur Diagnosesicherung stets eine Blasenspiegelung erforderlich. Diese erfolgt in Rückenlage in örtlicher Betäubung und wird in der Regel vom Patienten gut toleriert. Eine Röntgenuntersuchung mit Gabe von Kontrastmittel über eine Vene dient der Überprüfung möglicher Begleiterkrankungen der Nieren und der Harnleiter.
Bei fortgeschrittenen Blasentumoren (Einwachsen in die Blasenmuskulatur) oder Bildung von Tochtergeschwülsten können folgende Untersuchungen zusätzlich erforderlich werden:

  • Computertomographie (CT) von Bauch, Becken und Brustraum
  • Skelettszintigraphie (Untersuchung der Knochen)
  • Kernspintomographie


Behandlung

Die beiden Formen des Harnblasenkarzinoms (oberflächlich und muskelinvasiv) erfordern unterschiedliche Behandlungsstrategien, die wir mit unseren Patienten eingehend besprechen. In beiden Fällen steht zu Beginn der Behandlung immer die endoskopische Schlingenabtragung des Tumors, die sogenannte TUR-Blase. Das im Rahmen der Operation gewonnene Material wird feingeweblich unter dem Mikroskop untersucht. Hierdurch kann die Unterscheidung zwischen oberflächlichem und muskelinvasivem Karzinom erfolgen. Da dieses minimal-invasive und schonende Verfahren ohne Hautschnitt auskommt, beschränkt sich der Krankenhausaufenthalt auf wenige Tage.

Therapie oberflächlicher Harnblasenkarzinome
Bei oberflächlichen Tumoren ist die erste Operation (TUR-Blase) meist die einzige erforderliche Therapie. In manchen Fällen muss zur Bestimmung der endgültigen Tumorausdehnung nach 3-4 Wochen eine nochmalige Abtragung des Tumorgrundes (Nachresektion) erfolgen.
In Abhängigkeit von der Aggressivität der Tumorzellen kann die Spülung der Blase mit bestimmten Medikamenten erforderlich sein. Diese Therapie erfolgt in der Regel ambulant durch den zuweisenden Urologen. Wichtig ist in jedem Falle die sorgfältige Durchführung regelmäßiger Kontrolluntersuchungen durch den betreuenden Urologen, um das erneute Auftreten eines Tumors rechtzeitig zu erkennen.

Therapie muskelinvasiver Harnblasenkarzinome

Auch das muskelinvasive Harnblasenkarzinom kann geheilt werden. Hierzu ist in der Regel eine größere Operation über einen Bauchschnitt erforderlich.

Operative Entfernung der Harnblase und Harnableitung
Bei einem muskelinvasiven Blasentumor ohne Vorliegen von Tochtergeschwülsten oder bei seltenen Formen von oberflächlichen Blasentumoren ist die komplette Entfernung der Blase einschließlich der nachfolgend beschriebenen Organe notwendig:

  • Beim Mann: Prostata, Samenblasen und Lymphknoten des kleinen Beckens
  • Bei der Frau: Gebärmutter, Teile der Scheide und Lymphknoten des kleinen Beckens

Nach Entfernung der genannten Organe muss im Rahmen der Operation ein Ersatz für die Harnblase geschaffen werden, die sogenannte Harnableitung. Im Klinikum Garmisch-Partenkirchen bieten wir alle Formen der modernen Harnableitung an. Bei der Festlegung der genauen Harnableitung spielen viele individuelle Faktoren eine Rolle. Die Auswahl des Verfahrens erfolgt im Rahmen eines ausführlichen Gespräches, in dem Wünsche und Lebenssituation des Patienten berücksichtigt werden.

Kontinente (trockene) Harnableitungen

Es gibt zwei Möglichkeiten einer sogenannten kontinenten Harnableitung. Diese Formen der Ersatzblase ermöglichen dem Patienten den Zeitpunkt der Urinentleerung selbst zu bestimmen. Zwischen den Toilettengängen tritt kein unwillkürlicher Harnverlust auf. Ein Darmabschnitt dient bei allen Formen der Harnableitung als Blasenersatz.

  • Die Bildung einer Ersatzblase aus Dünndarm mit Anschluss an die Harnröhre. Die Entleerung der Ersatzblase erfolgt auf natürlichem Wege über die Harnröhre bevorzugt in sitzender Position.
  • Die Bildung einer Ersatzblase aus Dünn- und Dickdarm mit Anschluss an eine kaum sichtbare Öffnung im Nabel. Die Entleerung der Ersatzblase erfolgt indem der Patient regelmäßig einen dünnen Katheter durch den Nabel einführt.

Inkontinente (nasse) Harnableitungen
Die Ausleitung eines kurzen Darmsegmentes an dessen inneren Ende die Harnleiter eingenäht werden. Das andere, in die Bauchhaut eingenähte Ende, fördert kontinuierlich Urin (Ileum Conduit). Dieser wird in einem Auffangbeutel gesammelt, der direkt auf die Haut geklebt wird. Hierfür stehen sehr komfortable Systeme zur Verfügung. Speziell geschulte Therapeuten lehren unseren Patienten den Umgang mit diesen, bis ausreichend Routine im selbstständigen Wechsel der Beutel besteht.

Therapie des metastasierten Harnblasenkarzinoms
Bei Vorliegen einer metastasierten Erkrankung, d.h. bei Auftreten von Tochtergeschwülsten (Metastasen) in anderen Organen des Körpers oder in Lymphknoten, erfolgt meist eine Chemotherapie. Diese besteht in der Regel aus der Gabe von mehreren Substanzen. Bei der Auswahl der Substanzen berücksichtigen wir die individuelle Situation des Patienten sowie aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse. Regelmäßig erfolgt die Therapieplanung im Rahmen der Tumorkonferenz, einer Expertenrunde aller Krebsspezialisten. Das Onkologische Zentrum (Link) im Klinikum Garmisch-Partenkirchen gewährleistet hierbei, dass jeder unserer Krebspatienten individuell und optimal versorgt wird.

Kontrolluntersuchungen
Bei jedem Patienten, der wegen eines bösartigen Harnblasentumors behandelt wurde, sollten regelmäßig Kontrolluntersuchungen durch einen Facharzt für Urologie erfolgen.
Bei Patienten mit oberflächlichen Harnblasentumoren bestehen diese u.a. aus regelmäßigen Blasenspiegelungen, sowie Ultraschall- und ggf. Röntgenuntersuchungen. Patienten, denen die Harnblase vollständig entfernt wurde, benötigen neben Ultraschall- und Laboruntersuchungen auch Computertomografien und ggf. Knochenuntersuchungen (Skelettszintigrafien).

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