Hodentumor

Jedes Jahr erkranken in Deutschland knapp 5.300 Männer an einem bösartigen Hodentumor. Dies betrifft vor allem jüngere Männer zwischen 20 und 40 Jahren und ist in dieser Altersstufe der am häufigsten auftretende bösartige Tumor. Das Durchschnittsalter liegt beim Seminom bei 35 Jahren, beim Nicht-Seminom bei 28 Jahren. Im Vergleich zu einigen anderen Krebserkrankungen lässt sich dieser Tumor jedoch sehr gut behandeln und im Frühstadium fast immer „heilen“, auch in fortgeschrittenen Stadien besteht heutzutage eine gute Heilungschance. Mehr als 90% der erkrankten Männer werden wieder gesund.
In den letzten Jahren wurde unter anderem in Deutschland eine Zunahme der Erkrankung festgestellt. Die Ursachen hierfür sind bislang nicht bekannt, unter anderem spielen jedoch genetische Faktoren eine wichtige Rolle. Die Abklärung männlicher Verwandte ersten Grades von Betroffenen sollte deshalb unbedingt in Betracht gezogen werden, da erbliche Faktoren als ein Risikofaktor anzusehen sind. Als weiterer Risikofaktor gilt ein vorhandener oder behandelter Hodenhochstand (nicht korrekte Lage des Hodens).
Da auch ein bereits therapierter Hodentumor-Patient ein erhöhtes Risiko hat, in seinem gesunden Hoden ebenfalls im Laufe der Zeit einen Tumor zu entwickeln, sollten Hodentumor-Patienten regelmäßig weiter nachuntersucht werden.

Diagnostik
Eine geregelte Vorsorge bzgl. der Erkennung eines Hodentumors gibt es bislang nicht, jedoch wird Männern und heranwachsenden Jungen empfohlen, selbst regelmäßig (jedes halbe Jahr) die Hoden auf Verhärtungen und Knoten im Hoden abzutasten und sich ggf. zur weiteren Abklärung bei einem Urologen vorzustellen. Das Abtasten der Hoden sollte in entspanntem Zustand z. B. unter der Dusche erfolgen.

Bei Fortschreiten der Erkrankung kann es zu Rückenschmerzen kommen, welche durch eine Vergrößerung von Lymphknoten im hinteren Bauchraum verursacht werden. Hier ist gerade bei Männern im jüngeren Alter auch an ein Vorliegen eines Hodentumors zu denken.
Folgende „Warnsymptome“ sollten junge Männer jedoch unbedingt veranlassen, sich zur weiteren Abklärung an einen Arzt bzw. Urologen zu wenden:

  • tastbare Verhärtung im Hoden
  • Schwellung und / oder Ziehen und / oder Schmerzen im Hodenbereich
  • Schwellung oder Schmerzen im Bereich der Brustdrüsen

Besteht der Verdacht auf einen Hodentumor, so werden zur weiteren Abklärung eine Tast- sowie Ultraschalluntersuchung der Hoden durchgeführt. Zusätzlich werden Blutproben entnommen und hierin sogenannte Tumormarker (ß-HCG, AFP, LDH) analysiert, die evtl. bei Vorliegen eines Hodentumors erhöht sein können.

Einerseits zur Abklärung und Festlegung, andererseits aber auch schon als Teil der Therapie, wird der betroffene Hoden in einer Operation freigelegt und begutachtet. Bei Unklarheiten wird ggf. während der Operation eine Gewebeprobe entnommen und zur Schnellschnitt-Untersuchung einem Pathologen vorgelegt. Dieser untersucht einen Teil des verdächtigen Hodengewebes unter dem Mikroskop, um anschließend die definitive Diagnose zu stellen.

Sollte sich ein Hodentumor bestätigen, so werden zur weiteren Abklärung eine Computertomographie des Bauchraumes sowie eine Röntgenuntersuchung oder Computertomographie der Lunge durchgeführt, um das mögliche Vorhandensein von Tochtergeschwülsten (Metastasen) weiter einzugrenzen.

Therapie
Sollte ein Hodentumor festgestellt werden, besprechen wir mit unseren Patienten gemeinsam die geeignete Therapie anhand der derzeit gültigen internationalen Leitlinien.
Bestätigt sich der Verdacht auf einen Hodentumor, so erfolgt als erster Schritt die Entfernung des Hodens (Orchiektomie). Die weitere Behandlung richtet sich nach der Gewebeart des Tumors (Seminom bzw. Nicht-Seminom) sowie nach dem Vorhandensein von Tochtergeschwülsten (Metastasen).
Weitere Therapiemöglichkeiten nach der Operation sind:

  • Kontrolliertes Zuwarten (sog. active surveillance)
  • Strahlentherapie (durch die Kollegen aus der Praxis für Strahlentherapie im Hause)
  • Chemotherapie
  • Retroperitoneale Lymphadenektomie (operative Lymphknotenentfernung aus dem Bauchraum)

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