Nierenkarzinom

Wir führen in unserem Klinikum die Früherkennung, Diagnostik und Behandlung des Nierenzellkarzinoms durch.

Das Nierenzellkarzinom ist mit ca. 5 % aller Krebserkrankungen die sechsthäufigste Tumorerkrankung des Mannes, bei der Frau ist die Erkrankungshäufigkeit mit gut 3 % etwas geringer. Jedes Jahr erkranken in Deutschland ca. 17.000 Personen neu an Nierenkrebs. Bei Männern ist das Risiko eines Nierenkrebses höher als bei Frauen (etwa 3:2); der Altersgipfel dieser Tumorerkrankung liegt im sechsten und siebten Lebensjahrzehnt.

Das Nierenzellkarzinom ist häufig sehr gut zu behandeln, solange es in einem frühen Stadium entdeckt wird. Zu den Spezifika von Nierengeschwülsten gehört, dass sie sehr groß werden können, ohne dass sie Schmerzen oder andere Probleme verursachen.

Diagnostik
Die meisten Nierentumore werden heutzutage im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes aus anderweitigen Gründen „zufällig“ entdeckt. Eine spezielle Vorsorgeuntersuchung auf Nierenkrebs gibt es nicht, ebenso keinen spezifischen Tumormarker im Blut.

Zusätzliche Beschwerden wie

  • Blut im Urin
  • Flankenschmerz, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Gewichtsverlust
  • neu aufgetretener hoher Blutdruck
  • Blutarmut
  • hoher Kalziumwert im Blut

können Hinweise auf eine Nierengeschwulst sein – möglicherweise in einem bereits fortgeschrittenen Stadium.

Die entscheidende Bedeutung bei der Diagnose eines Nierenzellkarzinoms spielt heute die Ultraschalluntersuchung. Diese strahlenfreie Untersuchungstechnik belastet den Patienten nicht, sie kann Tumoren ab einer Größe von ca. 2 cm nachweisen und beliebig oft wiederholt werden. Die Sicherung der Diagnose erfolgt mittels hoch auflösender Multidetektor-Computer-Tomographie in so genannter 3-Phasen-Technik. Dabei wird dem Patienten ein Kontrastmittel intravenös verabreicht, wodurch die Niere besser dargestellt wird. Die Anreicherung des Kontrastmittels im Tumor kann Aufschluss darüber geben, ob ein Tumor eher gut- oder bösartig ist.

Etwa gleichwertig ist die Kernspin-Tomographie (MRT), welche bei Kontrastmittel-unverträglichkeit, Nierenfunktionsstörungen oder bei speziellen Fragestellungen eingesetzt wird. Die Diagnostik wird vervollständigt durch eine Röntgenuntersuchung oder Computertomografie des Brustkorbes, um Tochtergeschwülste (Metastasen) nachzuweisen. Eine Probeentnahme aus dem Tumor ist nur in sehr seltenen Fällen erforderlich. Sämtliche Untersuchungsmethoden sind in unserem Hause verfügbar.

Therapie
Sollte ein Nierentumor festgestellt worden sein, bieten wir unseren Patienten eine auf ihre persönliche Situation zugeschnittene Behandlung an. Wir berücksichtigen neben Alter und persönlichen Lebensumständen auch eventuelle Begleiterkrankungen, insbesondere die Tumorausdehnung und -aggressivität. In einem persönlichen Gespräch informieren wir unsere Patienten ausführlich über alle für sie in Frage kommenden Behandlungsmöglichkeiten sowie deren Vor- und Nachteile.

Wir bieten entsprechend der aktuell gültigen Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie zum Nierenzellkarzinom folgende Therapiemöglichkeiten an:

Behandlung des lokal begrenzten Nierenzellkarzinoms | Das wichtigste Verfahren zur Behandlung des Nierenkrebses ist die Operation. Dabei richten sich Umfang und Zielsetzung der Operation nach dem Stadium der Krebserkrankung bzw. dem Vorhandensein von Begleiterkrankungen. Möglichkeiten der Behandlung sind:

Operative Entfernung der Niere | Handelt es sich um einen größeren Tumor und ist eine gesunde zweite Niere vorhanden, besteht die Standardbehandlung in einer operativen Entfernung der betroffenen Niere. Dabei wird die Niere mit dem umgebenden Fettgewebe und den örtlichen Lymphknoten entnommen. In bestimmten Fällen muß die  Nebenniere mit entfernt werden. Der operative  Zugang kann am Bauch oder in der Flanke liegen. In vielen Fällen kann die Operation laparoskopisch, d.h. über eine Bauchspiegelung vorgenommen werden; hier kann auf einen großen Bauchschnitt verzichtet werden, stattdessen werden 3 bis 5  Schnitte von 1 bis 2 cm Größe angebracht, über die ein Kamerasystem in den Bauchraum eingebracht wird. Mit beweglichen Instrumenten wir der Eingriff unter Videoüberwachung in ca. 8-facher Bildvergrößerung durchgeführt. Diese Methode ist in der Regel für den Patienten schonender.

Da eine gesunde zweite Niere vorhanden ist, sind hinsichtlich der Nierenfunktion keine relevanten Einschränkungen zu erwarten, da die verbliebene Niere die Nierenfunktion in der Regel übernimmt.

Organerhaltende Nierentumoroperation | Bei kleinen Geschwülsten, fehlender oder funktionsgestörter zweiter Niere oder Zweifel an der Bösartigkeit des festgestellten Tumors wenden wir bei Ihnen die Möglichkeit einer organerhaltenden Operation an. Dabei wird nur der Tumor selbst mit einem Sicherheitssaum aus der Niere entfernt. Nach neuen Erkenntnissen ist eine organerhaltende Operation nicht mit einem erhöhten Risiko eines Wiederauftretens der Geschwulst verbunden. Die so operierten Patienten profitieren vielmehr vom Erhalt funktionsfähigen Nierengewebes. Ob eine solche Operation möglich ist, werden wir ausführlich mit dem Patienten erörtern.

Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms | Bedauerlicherweise liegen bei einem Teil der Patienten bei Feststellung eines Nierenzellkarzinoms ein fortgeschrittenes Tumorstadium oder bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) vor. Ein weiterer Anteil der Patienten entwickelt im weiteren Verlauf der Erkrankung Metastasen. Welche Therapie nun zum Einsatz kommt, hängt von der Lage und dem Ausmaß der Metastasen sowie von patientenspezifischen Umständen ab.

Operation von Metastasen | Das Nierenzellkarzinom ist gegen Chemo- und Strahlentherapie in der Regel resistent. Deshalb ist die primäre Option die operative Entfernung der Metastasen. Das Entfernen von Metastasen beseitigt häufig die durch sie verursachten Beschwerden und kann Komplikationen, wie z. B. Knochenbrüche bei Metastasen, verhindern. Auch wenn bereits zum Zeitpunkt der Diagnose eines Nierenzellkarzinoms Metastasen bestehen kann die operative Entfernung der tumortragenden Niere lokale Komplikationen wie Schmerzen und Harnwegsblutungen verhindern und die Überlebenschancen verbessern.

Medikamentöse Therapie
Ist eine lokale Behandlung von Metastasen nicht möglich oder sinnvoll, erfolgt eine medikamentöse Behandlung.

Immuntherapie | Bis vor weniger als 10 Jahren stellte die Immuntherapie mit Interferon und Interleukin die einzige medikamentöse Behandlungsmöglichkeit des metastasierten Nierenzellkarzinoms dar. Leider waren die Ansprechraten gering und die Nebenwirkungen oft sehr belastend. Interferon wird u. a. noch in Kombination mit einem Angiogenese-Hemmer (siehe unten) oder bei besonders günstiger Prognose eingesetzt.  

Zielgerichtete Therapie (Target-Therapie) | Die Einführung der so genannten zielgerichteten Therapie gilt als bedeutender Fortschritt in der Krebstherapie. Neue Erkenntnisse über die Signalwege in Tumorzellen sowie über Wachstumsfaktoren führten zur Entwicklung von Medikamenten, die verschiedene Signalwege des Tumorstoffwechsels blockieren und somit das Tumorwachstum gezielt hemmen können. Diese neuentwickelten Medikamente sind ein fester Bestandteil bei der Behandlung unserer Patienten mit fortgeschrittenen Tumorstadien. Wir setzen die zielgerichtete systemische Therapie nach einer Abschätzung des Risikos eines  Fortschreitens der Erkrankung nach einer Wertetabelle (sogenannter Motzer Score) in einer geeigneten Sequenz ein.

Tyrosinkinasehemmer (TKI) |
Wenn ein Wachstumsfaktor an seinem Rezeptor an der Zelloberfläche anbindet, so löst er eine Signalkette im Inneren der Zelle aus, die ein Zellwachstum sowie eine Zellvermehrung verursacht. Wird der Rezeptoranteil, der in das Zellinnere reicht (sogenannte Tyrosinkinase) gehemmt, so kann die Signalkaskade, welche bei den Krebszellen dauerhaft aktiv ist und somit eine ständige Zellvermehrung unterhält, unterbunden werden. Dabei kann ein Ziel an unterschiedlichen Punkten angegriffen werden. Manche Substanzen haben auch mehrere Angriffspunkte. Vertreter dieser Substanzklasse, die wir bei der Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms einsetzen sind Sunitinib (SutentR), Sorafenib (NexavarR) sowie Pazopanib (VotrientR).

mTOR-Hemmer | mTOR ist ein Protein in der Zelle, welches die verschiedenen Signalwege in der Tumorzelle zusammenfasst. mTOR-Hemmer blockieren auf diese Weise die Zellteilung und das Tumorwachstum. Wir verwenden die mTOR-Hemmer Temsirolimus (ToriselR) und Everolimus (AfinitorR).

Angiogenese-Hemmer | Wir verwenden auch den Antikörper Bevacizumab (AvastinR), welcher den  Wachstumsfaktor VEGF binden und inaktivieren kann, bevor er die Rezeptoren der Tumorzelle erreicht.

Nachsorge
Die Konfrontation mit der Tumorerkrankung, die Operation und auch eine medikamentöse Behandlung stellen eine körperliche und seelische Belastung für den Patienten dar. Aus diesem Grund ist bei uns die Einbeziehung einer psycho-onkologischen Betreuung ein unverzichtbarer Bestandteil der Tumorbehandlung.

Nach einem operativen Eingriff erfolgt in vielen Fällen eine Rehabilitationsbehandlung in einer Tumornachsorgeklinik. Diese beinhaltet u.a. Krankengymnastik, psychologische Betreuung zur Aufarbeitung der Situation und Ernährungsberatung. Bereits während des stationären Aufenthalts leiten wir in Zusammenarbeit mit unserem Sozialdienst die entsprechenden Schritte ein.

Das Rezidivrisiko ist abhängig vom Stadium bei Erstdiagnose. Die Mehrzahl der Rezidive tritt innerhalb der ersten zwei Jahre auf. Es sollten deshalb im Anschluss an die Behandlung abhängig vom Risikoprofil des Patienten regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch den betreuenden Facharzt erfolgen. Das Ziel dieser Untersuchungen ist, die Nierenfunktion zu überwachen, ein eventuelles Tumorrezidiv, Metastasen oder Begleit- und Folgeerkrankungen frühzeitig zu erfassen und angemessen zu behandeln.

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