Prostatakarzinom

Seit vielen Jahren führen wir in unserem Klinikum die Früherkennung, Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms durch. Das Prostatakarzinom (Prostatakrebs) ist die häufigste bösartige Tumorerkrankung des Mannes (25 % aller Krebserkrankungen). In Deutschland erkranken ca. 58.000 Männer pro Jahr an Prostatakrebs, ca. 12.000 Patienten pro Jahr sterben daran. Prostatatumoren treten im höheren Alter auf, der Häufigkeitsgipfel liegt bei ca. 70 Jahren, aber bereits ab dem 40. Lebensjahr können diese Tumoren bei Männern gefunden werden. Neben dem zunehmenden Alter spielt auch die Vererbung bei der Entstehung eines Prostatakarzinoms eine Rolle.

Das Prostatakarzinom ist im Frühstadium, solange der Krebs auf die Prostata beschränkt ist, sehr gut zu behandeln und meist heilbar. Da keine Frühwarnzeichen bestehen, ist die wichtigste Maßnahme des Mannes ab 45 Jahren die Krebsvorsorgeuntersuchung. Diese sollte regelmäßig einmal jährlich vorgenommen werden. Die Vorsorgeuntersuchung beinhaltet die digital-rektale Untersuchung (das Tasten der Prostata mit dem Finger), eine Ultraschalluntersuchung der Prostata (TRUS = Transrectal Ultrasound) sowie die Bestimmung des PSA-Wertes (PSA = Prostata-spezifisches Antigen) über eine Blutabnahme.

Diagnostik
Besteht der Verdacht auf ein Prostatakarzinom, sei es durch einen auffälligen Tastbefund oder über einen erhöhten PSA-Wert, werden zum Nachweis eines Karzinoms Gewebeproben (= Biopsien) aus der Prostata gewonnen. Dabei werden in örtlicher Betäubung unter Ultraschallkontrolle mit einer dünnen Nadel über die Darmwand mehrere kleine Gewebezylinder aus der Prostata entnommen. Die Biopsie ist nahezu schmerzfrei und kann ambulant durchgeführt werden. Bei der Biopsie kann kein Tumor verschleppt werden, so dass es sich um eine sichere Methode handelt. Die feingewebliche Untersuchung informiert uns nicht nur über den Nachweis oder Ausschluss einer bösartigen Erkrankung, sondern sie gibt bei nachgewiesenen bösartigen Zellen (durch die Bestimmung des sog. Gleason-Scores auf einer Skala von 2 bis 10) auch Auskunft über die Wachstums- und Ausbreitungsgeschwindigkeit des Tumors. Sollte ein Karzinom nachgewiesen werden, kommen unter Umständen weitere Untersuchungen wie Knochenszintigraphie und Computer-/Kernspintomographie zum Einsatz, um den örtlichen Ausbreitungsgrad und das mögliche Vorhandensein von Tochtergeschwülsten (Metastasen) weiter einzugrenzen.

Therapie
Sollte ein Prostatakrebs festgestellt werden, bieten wir unseren Patienten aufgrund der Befunde und der persönlichen Wünsche die geeignete Therapie an. Hierbei werden Alter, psychische und körperliche Verfassung, mögliche Begleiterkrankungen, die Tumorausdehnung und -aggressivität berücksichtigt. Wichtig ist uns dabei, dass unsere Patienten über sämtliche in Frage kommenden Behandlungsmöglichkeiten sowie deren jeweilige Vor- und Nachteile im persönlichen Gespräch ausführlich aufgeklärt werden. Entsprechend der in Deutschland aktuell gültigen Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie des Prostatakarzinoms können wir im Klinikum Garmisch-Partenkirchen folgende Therapiemöglichkeiten anbieten:

Kontrolliertes Zuwarten (Active Surveillance) |
Beobachtendes Zuwarten kann Patienten empfohlen werden, bei denen ein wenig aggressives, langsam wachsendes Prostatakarzinom im Frühstadium entdeckt wurde. Außerdem kommen ältere Patienten oder Patienten mit anderen ernsthaften medizinischen Problemen für diese Behandlungsform in Betracht, bei denen die Lebenserwartung eher durch die Begleiterkrankungen als durch das Karzinom bestimmt wird. Solange keine Symptome auftreten, wird hierbei zunächst keine Therapie eingeleitet, vielmehr werden regelmäßig Kontrolluntersuchungen durchgeführt, um ein lokales Fortschreiten des Tumors oder gar eine Streuung von Tumorzellen im Körper (Metastasierung) möglichst rechtzeitig zu erkennen.

Kurative Therapie | Beim lokal begrenzten Karzinom, d. h. wenn der Tumor sich nur innerhalb der Prostata befindet, die Prostatakapsel also nicht überschritten hat und keine Metastasen nachgewiesen werden können, kommen die sogenannten "kurativen Therapieverfahren" in Betracht. Dies bedeutet, dass eine Behandlung mit dem Ziel der vollständigen Heilung vom Prostatakrebs durchgeführt wird. Es gibt zwei Therapieformen welche eine Heilung bringen können: die Radikaloperation der Prostata und die Bestrahlung der Prostata (entweder von außen durch die Haut oder von innen durch Einbringen kleinster Strahlungspartikel, sog. Brachytherapie oder Seedimplantation).

Radikale Prostatektomie | Krebs kann am wirksamsten bekämpft werden, wenn eine vollständige operative Entfernung des Tumors möglich ist. Beim Prostatakrebs bedeutet dies die Entfernung der gesamten Prostata (Prostatektomie). Bei diesem operativen Eingriff wird die Prostata mitsamt den anliegenden Samenblasen und gegebenenfalls den umliegenden Lymphknoten entfernt mit dem Ziel, sämtliches Tumormaterial aus dem Körper zu entfernen. Anschließend wird die Harnblase wieder mit der Harnröhre durch eine Naht verbunden. Ca. 8 Tage nach der Operation wird diese Nahtverbindung, auch Anastomose genannt, durch eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel auf ihre Dichtigkeit überprüft und der eingelegte Dauerkatheter entfernt.

Voraussetzung für die Operation ist, dass der Patient unabhängig von seiner Tumorerkrankung eine Lebenserwartung von mindestens 10 Jahren hat und sein Allgemeinzustand sowie seine Nebendiagnosen diesen Eingriff zulassen. Als Zugangsweg um die Prostata komplett zu entfernen verwenden wir einen Unterbauchschnitt (radikale retropubische Prostatektomie) oder einen Dammschnitt (radikale perineale Prostatektomie). Bei der radikalen Prostatektomie können zwei spezielle Komplikationen auftreten: Zum einen ist dies die Harn-Inkontinenz (eingeschränkte Fähigkeit des Wasserhaltens nach der Operation) und zum anderen eine erektile Dysfunktion (Verlust einer ausreichenden Gliedsteife). Dank einer Verfeinerung der Operationsverfahren konnten diese beiden Probleme jedoch in den letzten Jahren deutlich verbessert werden.

Zum baldigen Erreichen der Kontinenz starten wir noch während des stationären Aufenthaltes in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Physiotherapie (Krankengymnastik) ein intensives Training der Beckenbodenmuskulatur. Hierdurch gelingt es in den meisten Fällen, dass die Männer entweder wieder ganz trocken werden oder bei ihnen lediglich ein tröpfchenweiser Urinabgang bei starker körperlicher Belastung bestehen bleibt. Auch die für die Gliedsteife zuständigen Nerven können bei günstigen Ausgangsbedingungen (z. B. keine zu große Tumorausdehnung) bei der Operation erhalten werden (nervschonende Operationstechnik), so dass eine Chance für einen Erhalt der Potenz besteht.

Der operative Eingriff und die Konfrontation mit der Tumorerkrankung stellen nicht nur eine körperliche sondern auch eine große psychische Belastung für unsere Patienten dar. Aus diesem Grund ist bei uns seit Jahren die Einbeziehung einer psychoonkologischen Betreuung ein unverzichtbarer Bestandteil der Tumorbehandlung. In vielen Fällen erfolgt nach der stationären Behandlung für einen Zeitraum von 3 Wochen eine Rehabilitation in einer Tumornachsorgeklinik. Diese beinhaltet u. a. Krankengymnastik und  Beckenbodentraining zur Kontinenzverbesserung, die Beratung und Behandlung von Erektionsstörungen sowie eine Ernährungsberatung.

Im Anschluss an die Behandlung erfolgen regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch Ihren betreuenden Arzt, in den ersten 2 Jahren alle 3 Monate, dann halbjährlich mit dem Ziel frühzeitig das Wiederauftreten der Erkrankung (Rezidiv) zu erkennen und Begleit- oder Folgeerkrankungen angemessen behandeln zu können.

Strahlentherapie | Kommt eine radikale Operation aufgrund fortgeschrittenen Alters oder eines hohen Operationsrisikos durch Begleiterkrankungen nicht in Betracht, oder entscheidet sich der betroffene Patient gegen einen operativen Eingriff, so kann alternativ in Kooperation mit der Praxis für Strahlentherapie am Haus eine perkutane Bestrahlung durchgeführt werden. Bei der perkutanen Radiotherapie, das heißt der Strahlentherapie von außerhalb des Körpers, werden hochenergetische Röntgenstrahlen eingesetzt, um die Krebszellen abzutöten. Wenn die erhobenen Befunde (PSA-Wert und Histologie) den Verdacht auf einen Lymphknotenbefall durch das Prostatakarzinom nahe legen, so können die Lymphknoten vor Durchführung einer Strahlentherapie laparoskopisch, d. h. mittels Schlüssellochchirurgie, entfernt und feingeweblich untersucht werden.

Die Vorteile der Strahlentherapie liegen darin, dass die prinzipiellen Risiken und Belastungen einer Operation vermieden werden. Auf der anderen Seite kann der Gedanke, bestrahlt zu werden, psychologische Probleme aufwerfen. Die Prostata ist zwischen Harnblase und Darm eingebettet. Aufgrund der örtlichen Nähe zu diesen Organen werden durch die Bestrahlung in geringem Maße auch gesunde Zellen geschädigt. Hierdurch können Durchfälle und Probleme beim Wasserlassen im Sinne einer Blasenentzündung entstehen. Ca. 40-50 % der bestrahlten Männer erleiden einen Potenzverlust.

Medikamentöse Therapie

Hormontherapie | Das Prostatakarzinom wächst unter dem anregenden Einfluss des männlichen Geschlechtshormons Testosteron. Durch Medikamente, die in Form von Monats- und Dreimonats-Spritzen oder Tabletten gegeben werden, ist es möglich, die Produktion und Freisetzung des Testosterons zu verhindern bzw. die Schlüsselstellen an der Prostatazelle zu blockieren, wodurch sich der hormonempfindliche Anteil des Prostatakarzinoms deutlich zurückbildet.
Diese sog. hormonablative Therapie kommt zum Einsatz, wenn eine Heilung durch lokale Maßnahmen wie Operation oder Bestrahlung nicht mehr erreicht werden kann, weil sich Metastasen zum Beispiel in Lymphknoten oder im Skelettsystem gebildet haben oder wenn aufgrund hohen Alters oder begleitender schwerwiegender Erkrankungen eine operative Therapie zu riskant erscheint und eine ausschließliche perkutane Bestrahlung nicht gewünscht wird. Die Hormontherapie kann durch den Krebs verursachte Symptome, insbesondere Schmerzen lindern und eine weitere Ausbreitung des Tumors für einige Jahre verhindern. An Nebenwirkungen können durch die Unterdrückung der Testosteronproduktion Hitzewallungen, Impotenz und Libidoverlust (fehlende Lust auf Sex) und depressive Stimmungsschwankungen auftreten.

Chemotherapie | Wenn nach einigen Jahren die Hormontherapie nicht mehr ausreichend wirksam sein sollte (sog. hormonrefraktäres Prostatakarzinom), versucht man das weitere Fortschreiten der Erkrankung durch eine Chemotherapie aufzuhalten. Mit neuen Substanzen können heute auch bei fortgeschrittenen Erkrankungen gute Behandlungserfolge bei akzeptablen Nebenwirkungen erreicht werden. Gleichzeitig können durch diese Behandlung Beschwerden wie z. B. Schmerzen gelindert und die Lebensqualität für die Betroffenen verbessert werden.

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