Kapselendoskopie

Dünndarm-Kapselendoskopie
Unter der Kapselendoskopie versteht man die Beurteilung des Verdauungstraktes über eine kleine Videokapsel. Dabei sendet eine kleine Kapsel ca. 3 Bilder pro Sekunde an einen Empfänger, den man am Körper trägt.

Videokapsel

Da man den oberen Verdauungstrakt bis zum Zwölffingerdarm mit der herkömmlichen Ösophagogastroduodenoskopie und auch den unteren Verdauungstrakt bis zu den letzten Zentimetern des Dünndarms über die Koloileoskopie sehr gut beurteilen kann, ist der mittlere Verdauungstrakt, also der Dünndarm, eher schwieriger zugänglich. Daher nutzt man hier den technischen Fortschritt aus der Raumfahrttechnik und empfängt von einem Mikrosender in einer kleinen ca. 26 mm langen Kapsel über eine Mikrokamera die Bilder aus dem Dünndarm. Es muss keine Luft zugeführt werden, die Untersuchung ist absolut schmerzfrei.
     
Um den mittleren Verdauungstrakt ausreichend beurteilen zu können, ist es sehr wichtig, dass dieser zuvor gründlich gereinigt wurde. In der Regel ist hier eine ähnliche Vorbereitung wie zur Koloileoskopie erforderlich. Zusätzlich trinkt man kurz vor dem Schlucken der Kapsel noch eine entschäumende Lösung, damit möglichst wenige Schaumblasen vor der Linse der Kapsel die Sicht einschränken.
 
Schaumfreie klare Sicht

Die Verabreichung der Kapsel ist ganz einfach: Es ist genauso, wie wenn man eine große Tablette schlucken muss. Natürlich sollte man nicht auf die Kapsel beißen. Patienten, die damit Schwierigkeiten oder eine Schluckstörung haben, brauchen keine Angst zu haben, es ist auch möglich, in einer kurzen Schlafnarkose die Kapsel mit dem Endoskop einzubringen. Etwa 2 Stunden später darf man wieder Essen und trinken, bis dahin sollte die Kapsel den Magen verlassen haben.

Nach der Passage durch den Dünndarm verweilt die Kapsel meist noch längere Zeit im Dickdarm, oft geht die Kapsel dann erst wieder mit Eintreten des normalen Stuhlgangs spontan ab, das kann bis zu 16-24 Stunden dauern. Die Kapsel ist ein Einmalartikel, sie muss nicht wieder eingesammelt oder zurückgegeben werden, sie wird spätestens in der Kläranlage als "Elektroschrott" herausgefiltert.

Die Notwendigkeit einer Kapselendoskopie des Dünndarms besteht in erster Linie bei unklaren Blutverlusten aus dem Verdauungstrakt, bei denen sowohl der obere als auch der untere Verdauungstrakt unauffällige Befunde ergaben. Aber auch zur Beurteilung eines möglicherweise vorliegenden Dünndarmbefalls bei einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (zum Beispiel Morbus Crohn) kommt die Kapsel zum Einsatz.

Um optimale Untersuchungsbedingungen zu ermöglichen, ist es sehr hilfreich, wenn man möglichst 2-3 Tage vor der Untersuchung keine faserreichen Gemüsesorten (z.B. Spargel oder Spinat) oder Blattsalate verspeist. Eisenpräparate sollten ebenfalls mindestens 5 Tage vor der Untersuchung pausiert werden. Die gewohnten Medikamente können ohne Einschränkung wie gewohnt bis zum Tag der Untersuchung eingenommen werden, am Tag selbst sollten die Tabletten erst 2 Stunden später genommen werden.

Dickdarm-Kapselendoskopie
Die Krebsvorsorge im Bereich des Dickdarms wird ab einem Alter über 55 Jahren generell empfohlen. Diese Empfehlung nehmen allerdings aktuell nur ca. 20% der Deutschen wahr. Da viele Patienten Angst vor der Darmspiegelung haben oder ein ausgeprägtes Schamgefühl besitzen, bietet die Dickdarmkapsel hier eine Alternative. Es werden hier in einer etwas größeren Kapsel (ca. 31x11 mm) als der des Dünndarms über zwei Kameras noch mehr Bilder pro Sekunde aufgezeichnet (ca. 300.000 pro Untersuchung).

Der Ablauf der Vorbereitung gleicht der zur Dünndarmkapseluntersuchung mit dem einen Unterschied, das nach dem Schlucken noch zusätzlich eine Abführlösung verabreicht wird, damit die Passage durch den Dünndarm beschleunigt wird.
Falls sich in der Auswertung der Bilder der Verdacht eines Polypens oder einer ungeklärten Struktur erhärtet, ist in jedem Fall eine anschließende Dickdarmspiegelung erforderlich, um den Polypen zu entfernen bzw. Proben aus verdächtigen Läsionen zu entnehmen.