Katheterablation mit Hochfrequenzstrom

Im Anschluss an die exakte Erstellung der Diagnose durch die elektrophysiologische Untersuchung wird eine Katheterablation durchgeführt. Hierzu wird über eine weitere Schleuse ein spezieller Ablationskatheter eingeführt. Bei der Katheterablation wird durch Anwendung von Hochfrequenzstrom (Frequenz 300 bis 500 kHz, Leistung bis 75 Watt) das für die Herzrhythmusstörungen verantwortliche Gewebe so verödet, dass Arrhythmien nicht mehr auftreten können. Die Behandlung ist in der Regel schmerzlos, nur selten kommt es zu einem leichten Druck oder Brennen im Bereich der Brust. Im Falle von Schmerzen kann von dem behandelnden Arzt bzw. der Schwester ein Beruhigungs- und/oder Schmerzmittel gegeben werden. Neue Energieformen sind in der Entwicklung. Bei einem Teil der Fälle benutzen wir statt Hochfrequenzenergie Kälte (bis -70 Grad) zur gezielten Verödung respektive in diesem Fall Vereisung.

Merkblatt zum Herunterladen: Vorbereitung Ablation

Die Hochfrequenz-Katheterablationsbehandlung wird vor allem bei folgenden Herzrhythmusstörungen angewandt:

AV-Knoten-Tachykardien |
Patienten mit AV-Knoten-Tachykardien stellen die größte Einzelgruppe bei Herzrasen dar. Es gelingt bei fast 100 % der Patienten, die AV-Knoten-Eigenschaften so zu verändern, dass Herzrasen durch AV-Knoten-Tachykardien nicht mehr entstehen kann. Als bedeutsame Komplikationsmöglichkeit ist das Auftreten eines totalen Herzblocks zu nennen, was - wenn der Herzblock im weiteren Verlauf bestehen bleibt - eine Schrittmacher-Implantation erforderlich macht. Das Risiko ist jedoch sehr klein (0,2 %).

Abbildung : Kreisende elektrische Erregung bei AV Knoten-Tachykardie und Ablation

WPW-Syndrom | Beim WPW-Syndrom liegt eine zusätzliche elektrisch leitende Verbindung zwischen Vor-und Hauptkammer vor, die dann gezielt „verödet“ werden kann. Nur bei einem Teil der Patienten ist das WPW-Syndrom schon im normalen Ruhe-Ekg erkennbar. Die Erfolgsquote liegt bei 97 %. Risiken hinsichtlich der Notwendigkeit einer Schrittmacher-Implantation bestehen beim WPW-Syndrom nur bei den (seltenen) Fällen, bei denen die zusätzliche Leitungsbahn in der Nähe des Reizleitungssystems (AV-Knoten, His-Bündel) liegt. Je nach Lage der zusätzlichen Leitungsbahn wird entweder über die Leistenvene, die Leistenarterie oder über die Herzscheidewand der Vorhöfe der Verödungs-Katheter platziert. Im letztgenannten Fall erfolgt eine transseptale Punktion, das heißt es wird –meistens mit Ultraschall in der Speiseröhre ( TEE), die Vorhofscheidewand durchstochen. Die Punktion verschließt sich nach wenigen Wochen in der Regel wieder von selbst. Eine Blutverdünnung mit Heparin erfolgt im Rahmen der Untersuchung Komplikationen (Einzelfälle): Perikarderguss ohne hämodynamische Auswirkung, Perikardtamponade, Verletzung der Beckenarterie/Aorta ascendens (dissektion) ohne bleibende Konsequenz, AV-Fistel/Aneurysma falsum, flüchtige Durchbblutungsstörungen des Gehirns mit Rückbildung der Symptomatik innerhalb 24 Stunden, Schlaganfall durch Hirnblutung mit weitgehender Rückbildung der neurologischen Symptomatik, neue Undichtheit der Aortenklappe (leichtgradige Aorteninsuffizienz).

Vorhofflattern | Liegt ein sog. typisches Vorhofflattern vor, kann Ihnen mit einer Ablationsbehandlung geholfen werden. Beim typischen Vorhofflattern läuft die elektrische Erregungswelle durch eine kritische Engstelle im Bereich der rechten Herz-Vorkammer. Wird diese Engstelle (der sog. „Isthmus“) verödet, kann Vorhofflattern nicht mehr entstehen. Eine Isthmusablation kann auch in Kombination mit medikamentöser Therapie bei Behandlung von Vorhofflimmern notwendig sein ( „Hybridtherapie “). Im Zusammenhang mit der Isthmusablation kann es in einzelnen Fällen zu folgenden Komplikationen kommen: AV-Block III 3. Grades, Perikarderguss, Herzinfarkt und bedeutsamer Bluterguss im Bereich der Punktionsstelle. Perikarderguss und Tamponade mit Todesfall. Wenn Ihr Vorhofflattern dadurch bedingt ist, dass früher im Bereich des Vorhofs bereits eine Herzoperation durchgeführt wurde, liegt häufig ein anderer Erregungsablauf während des Vorhofflatterns vor. Die elektrophysiologische Untersuchung wird zeigen, ob auch bei atypischem Erregungsablauf eine Ablationsbehandlung möglich ist. Die Erfolgsquote liegt bei typischem Vorhofflattern heute bei 98 %, Wiederholungseingriffe sind bei ca. 5 % notwendig.

Vorhofflimmern | Katheterablationsverfahren bei Vorhofflimmern werden in einem besonderen Informations- und Aufklärungsblatt dargestellt. Anerkannt ist die Ablation des AV-Knotens bzw. des His-Bündels, wodurch verhindert werden kann, dass die Kammern im Falle von Vorhofflimmern zu schnell und unregelmäßig schlagen. Ziel der Behandlung ist also die Durchtrennung der Überleitung vom Vorhof auf die Kammern. Als Vorbereitung für diese Ablationsbehandlung ist Ihnen bereits zuvor ein Herzschrittmacher implantiert worden, damals wurden Sie schon ausführlich über die Behandlungsmöglichkeiten Ihrer Herzrhythmusstörungen aufgeklärt.

Merkblatt zum Herunterladen: Katheterablation bei Vorhofflimmern

Vorhoftachykardien | Der Ursprung dieser Rhythmusstörungen kann in der rechten oder linken Herzvorkammer liegen. Wenn die Stelle des Ursprungs mittels Kathetertechnik gut auffindbar ist, liegt der Erfolg der Verödungstherapie bei über 70 %. Im Vergleich zu den oben besprochenen Indikationen sind Ablationsbehandlungen bei Vorhoftachykardien seltener. Sie kommen aber häufig ( 8-20 % ) nach Vorhofflimmerbehandlung vor.

Kammertachykardien | Diese kommen meistens im Zusammenhang mit einer schweren Herzerkrankung, z. B. nach Herzinfarkt oder bei einer Herzmuskelschädigung anderer Ursache vor. In den meisten Fällen wird dann von einer Katheter-Ablationsbehandlung abgeraten und stattdessen der medikamentösen Therapie oder auch der Implantation eines automatischen Kardioverters/Defibrillators (ICD) der Vorzug gegeben. Treten nach ICD-Implantation häufige Kammertachykardien mit relativ niedriger Frequenz auf, so ist dies eine gute Indikation zur Katheter-Ablation. Im Falle von Kammer-Tachykardien ohne schwere Herzmuskelschädigung („idiopathische Kammertachykar- dien“) kann jedoch in einem hohen Prozentsatz (ca. 80 %) die Neigung zu diesen Herzrhythmusstörungen durch gezielte Verödung ihres Ursprungs in der rechten oder der linken Herzkammer verhindert werden. Im Vergleich zu den supraventrikulären Tachykardien sind Kammertachykardien bei Herzgesunden jedoch selten.

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