Schnelle Hilfe für 17.000 Herzpatienten
Ein Jubiläum im Dienste der Patienten: Das Herzkatheterlabor am Klinikum
Garmisch-Partenkirchen besteht inzwischen seit zehn
Jahren.
  Chefarzt Dr. Franz Dotzer im Herzkatheterlabor |
Erst in den 1980er Jahren ist das lebensrettende Verfahren entwickelt worden,
danach blieb es zuerst den Krankenhäusern der Großstädte vorbehalten, doch seit
nunmehr zehn Jahren kommt es auch den heimischen Herzinfarktpatienten zugute:
Seit Juli 1998 gibt es im Klinikum das von Chefarzt Dr. Franz Dotzer geleitete
Herzkatheterlabor – und seit einem Jahr auch eine zweite Einrichtung dieser Art
in der Murnauer Unfallklinik, betreut vom gleichen Mediziner-Team.
Ein Herzinfarkt liegt vor, wenn die durch die Hauptschlagader versorgten, auf
dem Herz liegenden Kranzgefäße verstopft sind. "Noch vor 30 Jahren", erinnert
sich Dotzer, starben 20 Prozent dieser Patienten binnen vier Wochen, denn es gab
wenige Möglichkeiten, ihnen zu helfen." Ab den 1990er Jahren wurde
Kathetertechnik entwickelt, um die verstopften Gefäße aufzuweiten. Medikamente,
um die Abwehrhaltung des Körpers in den Griff zu bekommen, wurden kreiert. 1995
kam auch der "Stent" hinzu. Dabei handelt es sich um ein winziges
Edelmetallgeflecht, mit dem man aufgeweitete Gefäße auf Dauer offen halten
kann.
1998 erhielt auch das hiesige Klinikum ein sogenanntes Herzkatheterlabor –
das ist ein kleiner Operationsraum, ausgestattet mit Röntgen- und anderen
Geräten: "Hier wird", erläutert Dotzer, "entweder vom Arm oder von der Leiste
aus über eine Vene ein dünner Draht in die Hauptschlagader und von dort in die
Koronargefäße eingeführt. Dieser bringt den Stent wie eine Leitschiene in die
Gefäße; von außen wird die präzise Führung durch das Röntgenbild überwacht.
17.000 diagnostische und therapeutische Eingriffe seien in den vergangenen
zehn Jahren vorgenommen worden, berichtet der Chefarzt, darunter an 4.000
Patienten mit akutem Herzinfarkt. "Weil die Kapazität des Klinikums an seine
Grenzen kam", sagt Geschäftsführer Wolfgang Türk, "wurde vor einem Jahr in der
Unfallklinik Murnau ein zweites Herzkatheterlabor in Betrieb genommen".
Im übrigen liege die "Interventionsrate" aller hier vorgenommenen
Herzkatheter-Untersuchungen bei 50 Prozent. Das heißt, bei der Hälfte all dieser
diagnostischen Eingriffe habe man Verengungen gefunden, die dann mit Ballon- und
Stenttechniken behandelt worden sind. Der Mittelwert deutscher
Herzkatheterlabors liege bei 30 Prozent. Das verdeutliche, dass in
Garmisch-Partenkirchen und Murnau keinen überflüssigen Untersuchungen
durchgeführt würden.
Von Beginn an gibt es übrigens für das hiesige Labor eine Rufbereitschaft
rund um die Uhr. "Sehr wichtig ist es in diesem Bereich auch", meint
Aufsichtsratsvorsitzender und Landrat Harald Kühn, "das die beiden Kliniken in
Garmisch-Partenkirchen und Murnau einen Hubschrauberlandeplatz haben." Denn bei
Infarkten sei schnelle Behandlung oft lebensrettend.
Neuerdings werden im Herzkatheterlabor die "Gefäßstützen" in verengte
Halsschlagadern eingesetzt, die Hauptauslöser des Schlaganfalls sind: "In den
vergangenen fünf Jahren", so Dotzer, haben wir knapp 180 dieser Karotis-Stents
eingeführt."
Seit Eröffnung des Katheterlabors arbeiten die Klinikumsmediziner auch eng
mit den niedergelassenen Kardiologen zusammen, betont Chefarzt Dotzer. "Dies ist
wegweisend für die auch politisch wünschenswerte integrierte Versorgung." Diese
soll auch künftig auf modernsten Niveau erfolgen: Bereits im nächsten Jahr,
kündigte Klinik-Chef Türk an, stehe die Anschaffung neuer Katheter-Technik zur
Diskussion.
Quelle: Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 02. August 2008 – Wolfgang
Kaiser