Geburtenrate: Werdenfelser Land trotzt landesweitem Trend
  Blumen und Glückwünsche gab es für Janine Nickelkoppe und Markus Winkler (r.) von Chefarzt Dr. Rainer Wahl: Die Geburt von Luca Alexander war die 500. in diesem Jahr. Foto: Stadler |
Während in Deutschland die Geburtszahlen rückläufig sind oder stagnieren,
geht die Kurve im Klinikum Garmisch-Partenkirchen weiter aufwärts. Das Ziel sind
600 Geburten bis zum Ende des Jahres.
Dass im Werdenfelser Land die Uhren anders ticken als anderswo, lässt sich
jetzt sogar an der Babystatistik beweisen. Während deutschlandweit die
Geburtszahlen rückläufig sind oder stagnieren, geht die Kurve im Klinikum
Garmisch-Partenkirchen weiter aufwärts. Seit 1999 kamen nicht mehr so viele
Kinder zur Welt wie in diesem Jahr. „Wir hoffen, dass wir zum 31. Dezember 600
Geburten haben“, sagt Dr. Rainer Wahl, Chefarzt der Abteilung für Geburtshilfe
und Frauenheilkunde.
Bereits sechs Wochen früher als im vergangenen Jahr, konnte die 500. Geburt
gefeiert werden: Janine Nickelkoppe hielt am 26. Oktober ihren Luca Alexander im
Arm. Der Bub war allerdings nicht zeitgleich das 500. Baby: „Zu dem Zeitpunkt
waren es bereits 508 Neugeborene, es gab acht Zwillingsgeburten“, erklärt Wahl,
der seit Januar im Dienst ist. Er freut sich mit seinem Team, zu dem zwei
Oberärzte, sieben Fach- und Assistenzärzte, zehn Hebammen und die zehn
Schwestern der Wochenstation gehören, dass das Klinikum bei den Schwangeren so
guten Anklang findet. Das Besondere im Klinikum: Die Frauen könnten frei wählen,
wo sie entbinden möchten. Ins Gewicht fällt bei der Entscheidung sicherlich,
dass die Kinderklinik samt Frühgeborenen-Intensivstation seit einigen Jahren im
Haus ist und bei Komplikationen für Mutter und Kind eine optimale medizinische
Versorgung garantiert werden kann. „Ein Vorteil, der auch schon Tiroler aus
Scharnitz oder dem Außerfern zu geborenen Bayern werden ließ“, so Wahl.
Die Betreuung im Klinikum beginnt jeweils vier Wochen vor der Geburt. Im
Vorbereitungskurs lernen die werdenden Eltern ihre Hebamme kennen; auch
Gymnastik- und Atemübungen werden vermittelt. Rund acht Prozent der Gebärenden
entscheiden sich im Klinikum für eine Wassergeburt, fünf Prozent ziehen den
Kaiserschnitt vor, der heute ohne Vollnarkose erfolgen kann. „Er bleibt aber
immer der ‚Notausgang‘ und wird nur auf ausdrücklichen Wunsch und aus
medizinischen Gründen vorgenommen“, plädiert Wahl für die natürliche Geburt.
Unklar bleibt ist, warum trotz medizinischen Fortschritts die Zahl der
Frühgeburten allgemein nicht minimiert werden konnte. „Hier hoffen wir weiterhin
auf die intensive Forschung“. Hat es ein Baby besonders eilig, schafft es die
Mutter nicht mehr in die Entbindungsklinik, dann passiert es auch, dass der Arzt
entgegen kommen muss. „Ich habe schon Geburten im Rettungswagen oder im Ehebett
gehabt“, lacht der Gynäkologe.
Quelle: Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 20. Nov. 2009