Krankenhaus -, 05.08.2008
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Großkliniken in Schieflage


Großkliniken in Schieflage

Großkrankenhäuser fordern in Garmisch-Partenkirchen ein "Ende der finanziellen Auszehrung"

Die Geschäftsführer der bayerischen Großkrankenhäuser tagten dieser Tage in Garmisch-Partenkirchen. Einmal im Jahr kommen die Manager der großen Häuser, organisiert durch die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG), zusammen – diesmal trat man sich unter der Alpspitze. So hoch wie die umliegenden Berge in Garmisch-Partenkirchen sind auch die Sorgen der Großkrankenhäuser, das wurde bei der Tagung deutlich.
Zentrales Thema des zweitägigen Kongresses waren die Auswirkungen der Tarifabschlüsse für den öffentlichen Dienst vom April dieses Jahres. "So sehr es uns freut, dass unsere Beschäftigten mehr Geld bekommen, zumal sie in den vergangenen Jahren große Zurückhaltung gezeigt haben, so sehr drückt uns die Sorge, wie wir diese zusätzlichen Personalkosten finanzieren sollen", sagt BKG-Geschäftsführer Siegfried Hasenbein.
Aufgrund der vom Gesetzgeber seit 15 Jahren verordneten "Deckelung" gibt es für den Krankenhausbereich keine zusätzlichen Einnahmen, um diese zusätzlichen Kosten abzufangen.
Geschäftsführer Wolfgang Türk rechnet vor, was der Tarifabschluss für das Klinikum Garmisch-Partenkirchen bedeutet: "Auf uns kommen Kosten in Höhe von 1,3 Millionen Euro im Jahr zu. Die Personalkosten machen nun einmal 70 Prozent bei einem Großkrankenhaus aus. Die Gegenfinanzierung ist gleich Null, und zusätzlich steigen auch für unser Klinikum die Energiekosten.
Die wirtschaftliche Situation hat sich an allen 39 bayerischen Großkrankenhäusern verschlechtert, sagt auch Siegfried Hasenbein, der ein "Ende der finanziellen Auszehrung" fordert. "Wenn der Bundesgesetzgeber nicht noch in diesem Jahr eine Möglichkeit für eine Refinanzierung schafft, geraten unsere Krankenhäuser in eine gefährliche Schieflage", prophezeit der BKG-Geschäftsführer.

Steigende Defizite, weiterer Personalabbau und Einschränkungen in der Versorgung nennt er als drohende Folgen. Auch Klinikums-Geschäftsführer Wolfgang Türk blickt düster in die Zukunft: "Wir wollen weder einen Personalabbau noch einen Leistungsabbau im Klinikum Garmisch-Partenkirchen. Wir müssen versuchen, durch effizientere Arbeitsabläufe und strukturelle Maßnahmen gegenzusteuern."
Die Finanzierung von Großkrankenhäusern (setzt bestimmte Bettengröße, mind. Versorgungsstufe II, überörtlichen Auftrag und Bedeutung voraus) ist Bundesangelegenheit. Die Schieflage wird in den einzelnen Ländern längst erkannt, deshalb wollen Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen einen Entschließungsantrag in den Bundesrat einbringen. Ob dieser Appell fruchten wird, weiß Hasenbein, der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG) nicht. Wohl aber weiß er, dass der bevorstehende Gesundheitsfonds den die Große Koalition als Erfolg preist, die Situation verschärfen wird.
Um auf die ernste Lage hinzuweisen ("mit dem jüngsten Tarifabschlüssen ist die Schmerzgrenze überschritten") kündigt Siegfried Hasenbein Protestaktionen an. Kundgebungen, Diskussionsrunden sowie Tage, an denen die geplanten OPs nicht durchgeführt werden, sind bereits angedacht ...
Während der Tagung trafen die Manager der 39 bayerischen Großkliniken auch mit Vertretern der Krankenhausabteilung des Bayerischen Sozialministeriums zusammen. Die Klinikchefs machten dabei deutlich, dass in den Krankenhäusern aufgrund des harten Wettbewerbs weiterhin ein hoher Investitionsbedarf besteht. Die Bundesländer müssten hier ihrer Verpflichtung nachkommen, eine ausreichende Finanzierung von Investitionen sicherzustellen. Anderenfalls laufe die staatliche Krankenhausplanung ins Leere.

Quelle: Kreisbote, 6. Juni 2008, Ilka Trautmann