Murnau – Dagmar Fromm, Leiterin der Krebs-Selbsthilfegruppe Murnau, hat ein
besonderes Anliegen: Sie hofft, dass die Chemotherapie, welche viele
Krebspatienten benötigen, eines Tages auch in Murnau möglich sein wird. Noch
müssen viele für die lebensnotwendige Behandlung nach Garmisch-Partenkirchen
oder nach Weilheim fahren. Dieses Anliegen sprach die 62-Jährige auch gleich an,
als Dr. Helmut Lambertz, Chefarzt der Abteilung Onkologie (Krebstherapie) im
Klinikum Garmisch-Partenkirchen, bei der der Selbsthilfegruppe zu Gast war: Im
Restaurant „Auszeit“ fragte sie den Experten rundheraus, ob und wann Aussicht
auf eine solche Behandlungen in Murnau bestehe. Lambertz blieb
zurückhaltend. Auf Nachfrage des Tagblatts sagte er:“ Ich weiß nicht, wann wir
hier die strukturellen Vorraussetzungen schaffen können, um diese Therapie mit
gleicher Qualität wie in Garmisch-Partenkirchen und Weilheim anbieten zu können.
Auf jeden Fall müsse die Therapie in Murnau in enger Zusammenarbeit mit den
Weilheimer Onkologen ausgeführt werden, die seit Jahren zahlreiche Murnauer
Patienten behandelten. Konkreter wurde er nicht. Ausführlich referierten
Lambertz dafür über das Thema Krebs und Chemotherapie |
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im Allgemeinen. In seinem Vortrag informierte der 55-jährige seine rund 20
Zuhörer, dass die Krankheit bereits im Altertum bekannt gewesen sei: „Schon bei
ägyptischen Mumien konnte Krebs nachgewiesen werden.“ Sogar Dinosaurier hätten
vor vielen Millionen Jahren an Knochenkrebs gelitten. Die Chemotherapie,
welcher der Experte viel Zeit widmete, sei erstmals 1946 angewendet worden: „Man
hat sich damals Erkenntnisse aus dem Krieg zunutze gemacht. So ließ Senfgas die
Tumore bei Lymphdrüsenkrebs kleiner werden.“ In den vergangenen Jahren habe sich
bei der Chemo- und Strahlentherapie sowie den Operationstechniken ein intensiver
Entwicklungsprozess vollzogen. Im Mittelpunkt einer modernen Krebstherapie stehe
immer der Mensch, betonte Lambertz: „Heute reden die die Patienten und deren
Angehörige viel stärker mit als früher. Sie haben das Recht, die Gedankengänge
der behandelnden Ärzte nachzuvollziehen. Dass viele Krebspatienten glaubten,
in der Selbsthilfegruppe werde nur über die Krankheit gesprochen, beteuerte die
stellvertretende Leiterin Veronika Fent: „Sie würden staunen, wie gut wir drauf
sind. Bei uns steht die Geselligkeit im Vordergrund.“ Dazu zählen Grillabende,
Ausflüge und Quigong.
Quelle: Garmisch-Partenkirchner Tagblatt vom 7.9.2010 |