FOP - Fibrodysplasia ossificans progressiva
Andere Bezeichnungen:
Abklärung, Beratung und Behandlung
In Zusammenarbeit mit
Prof. Dr. med. Fred Kaplan und dessen FOP-Forschungslabor in Philadelphia bieten
wir hier an unserer Klinik eine stationäre Behandlung von FOP-Patienten, soweit
sie nicht ambulant vor Ort erfolgen kann. Dies gilt für Patienten jeden
Alters.
Außerdem besteht für Menschen mit unklarem FOP-ähnlichem
Krankheitsbild bei uns die Möglichkeit zur Abklärung.
Telefonservice:
Für alle Fragen, die mit FOP zusammenhängen bieten
wir einen kostenlosen Beratungsservice an:
Telefonnummer (08821)
77-1350 oder (08821) 77-2240
Was ist eigentlich FOP?
FOP ist das Akronym (die Aneinanderreihung
der Erstbuchstaben) von Fibrodysplasia ossificans
progressiva, einer seltenen, genetisch bedingten schweren Erkrankung des
Binde- und Stützgewebes. Auf ca. 2 Millionen Menschen kommt 1 FOP-Kranker.
Bereits bei der Geburt besteht meist eine auffallende Verkrümmung/Verkürzung
der Großzehen, des Daumens und evtl. des Kleinfingers. In den folgenden Jahren
kommt es dann in der Regel zu einer fortschreitenden Verknöcherung des Binde-
und Stützgewebes. Diese wird typischerweise durch Verletzungen der Muskulatur,
häufig Stürze, ausgelöst. Am Anfang der Verknöcherung stehen häufig
schmerzhafte, gerötete und überwärmt tastbare Schwellungen im Muskelgewebe. Im
Laufe einiger Wochen lassen Schmerz sowie Rötung in der Regel nach. Die
Schwellung geht meist zurück, jedoch bleibt oft eine feste Beule zurück, die im
Laufe der folgenden Wochen dann verknöchert und als Zentrum für eine
weitergehende Verknöcherung in die umliegenden Gewebsstrukturen dient. Häufig
kommt es in der Folge zu einer knöchernen Brückenbildung über die Gelenke
hinweg, so dass diese einsteifen.
Meist finden sich diese verknöchernden Beulen zuerst im Kopf- ,Nacken- und
Schulterbereich. Sie dehnen sich dann in den folgenden Jahren zum einen in
Richtung Füße, zum anderen vom Rumpf aus in die Peripherie – also in die Arme
und Beine hinein – aus. Oft verläuft die FOP stark fortschreitend. Meist kommt
es bereits in den ersten Lebensjahren zu einer Versteifung im Halswirbelsäulen-
und Schulterbereich. Nicht selten besteht bereits um das 7. Lebensjahr eine
knöcherne Verbindung zwischen dem Oberarmknochen und den Rippen, so dass die
Arme fixiert sind. Dies kann im weiteren Verlauf dazu führen, dass die
Betroffenen gefüttert werden müssen und spätestens von da an eine lebenslange
Pflege benötigen.
Im frühen Erwachsenenalter sind dann nicht selten alle rumpfnahen großen
Gelenke eingesteift. Infolgedessen sind die meisten Patienten bereits ab dem 20.
Lebensjahr an einen Rollstuhl gebunden und können im Alter von ca. 30 Jahren
durch ihre Gelenkversteifungen oft nur noch sitzen oder stehen. Wegen der
eingeschränkten Beweglichkeit des Brustkorbes und damit der Belüftung der Lunge
können Lungenentzündungen eine lebensbedrohliche Gefährdung darstellen. Auch
banale Stürze können, da keine Abwehr- oder Auffangbewegungen möglich sind, zu
schweren Schädel-/Hirnverletzungen führen.
Ursache der Erkrankung ist eine Punktmutation in einem Rezeptorgen, das auf
dem langen Arm des Chromosoms 2 (2q 23-24) liegt. Dieser Gendefekt hat zur
Folge, daß die Signalübertragung zwischen dem knochenbildenden Hormon und dem
Zellrezeptor stark intensiviert ist und somit zu einer überschießenden
Knochenneubildung führt.
Leider gibt es zur Zeit immer noch keine überzeugende Behandlungsmöglichkeit,
die die abnorme Knochenbildung wieder rückgängig machen könnte, noch gibt es
eine sichere Verhütung des Fortschreitens der Krankheit. Allerdings sind
erfolgversprechende Therapieversuche in der Erprobungsphase. Vor allem durch die
Lokalisation des Gendefektes wird es in Kürze möglich sein, ein Tiermodell mit
identischem Gendefekt zu bekommen, das die weitere FOP-Forschung und vor allem
die Forschung hinsichtlich neuer Therapieansätze erheblich voranbringen
wird.
Seit 1997 gibt es in Deutschland eine Selbsthilfegruppe. Ihr Ziel ist die
Unterstützung der Erforschung der Krankheit sowie neuer Therapieansätze,
verbunden mit einer Intensivierung der Aufklärung über diese Krankheit. Leider
kommt es derzeit immer noch zu einer zusätzlichen Verkrüppelung der Patienten
durch Fehldiagnosen, leichtfertige Verletzungen der Muskulatur und nicht selten
ärztliche Eingriffe: In Unwissenheit und Unkenntnis über die Erkrankung werden
diesen Patienten immer wieder Injektionen (Impfungen, örtliche Betäubungen,
Nervenblockaden etc.) gegeben. Häufig werden auch zur Abklärung der "tumorösen"
Knoten Gewebsentnahmen oder Entfernungen der Knoten durchgeführt. Im Extremfall
werden sogar manche Menschen zytostatisch behandelt oder bestrahlt. Einem
Mädchen wurde sogar der ganze Arm amputiert, da man von einem bösartigen Tumor
ausging. Als Reaktion auf all diese Maßnahmen kommt es leider häufig zu einer
noch zusätzlichen verstärkten Verknöcherung und damit verbundenen
Einsteifung.
Dies könnte durch eine breite Aufklärung, vor allem der Ärzteschaft,
vermieden werden.
Weitere Auskünfte:
Kontakt zur deutschen FOP-Selbsthilfegruppe:
FOP e. V.
Fischener Straße 6
87448 Waltenhofen
Vorsitzende: Frau
Petra Sommer
Tel. (08303) 921062
Fax (08303) 921063
www.fop-ev.de
Wichtige und umfassende Informationen finden Sie auch über die Homepage der
Internationalen FOP-Selbsthilfegruppe: www.ifopa.org