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Abteilung für Gefäßchirurgie - Vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie - Venenzentrum
Aussackungen der Bauchschlagader (Bauchaortenaneurysma)

Was haben Albert Einstein, Charles de Gaulle, Leonid Breschnew und Thomas Mann gemeinsam?
Alle verstarben an einer geplatzten Bauchschlagader-Erweiterung, einem sogenannten Bauchaorten-Aneurysma (BAA). Eine lebensbedrohliche Erkrankung des Gefäßsystems, über die meistens nur gesprochen wird, wenn Prominente davon betroffen sind!


Was ist eine Bauchschlagader-Erweiterung?

Unter einer Bauchschlagader-Erweiterung versteht man eine Vergrößerung des Durchmessers der Hauptschlagader im Bauchraum um mindestens das Doppelte. Diese Schlagader ist schon im normalen Zustand ein erstaunlich großer Blutleiter. Bei Frauen hat die Ader normalerweise 1,8 cm, bei Männern ca. 2,2 cm Durchmesser. Unter bisher noch nicht eindeutig geklärten Umständen wird die Wand der Hauptschlagader schwach und leiert sozusagen aus. Dann entsteht dort eine regelrechte Aussackung an der Hauptschlagader (sog. Aneurysma).


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Wie bekommt man ein Aneurysma?

Bei Rauchern und Patienten mit langjährigem, meist unbehandeltem Bluthochdruck, kann solch ein Aneurysma entstehen. Vieles spricht aber auch für eine erbliche Veranlagung zur Strukturschwäche des Bindegewebes, da ca. 20% aller Patienten mit einem Aneurysma einen nahen Verwandten mit derselben Erkrankung haben! Auch eine bakterielle Infektion kann ursächlich sein, aber diesbezüglich ist sich die Wissenschaft noch nicht ganz einig. Rein biomechanisch ist klar, dass der Gehalt an Elastin (das ist der wichtigste Faktor für die Dehnungsfähigkeit einer Schlagader) mit dem Alter des Menschen kontinuierlich abnimmt (das Bindegewebe wird sozusagen schlaffer). Somit ist die Entstehung einer Bauchschlagader-Erweiterung im Alter relativgesehen deutlich häufiger. Weit gefährdeter sind jedoch die Raucher. Nach englischen Untersuchungen stieg die Zahl aufgeweiteter Bauchschlagadern von 11 auf 44% an, wenn der Patient seit langen Jahren rauchte. Das Rauchen ist also ein kritischer Risikofaktor für die Gefahr, dass eine Bauchschlagader sich erweitert und dann später sogar platzen kann.


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Wie häufig kommt so was vor?

Diese Aneurysmen treten mit etwa 2% Häufigkeit in der Bevölkerung auf – im Verhältnis 6:1 Männer zu Frauen. Kommen Risikofaktoren dazu (Arteriosklerose, Bluthochdruck, Nikotin) steigt diese Häufigkeit auf 5%. Sie wird, wie schon gesagt, mit zunehmendem Lebensalter größer. Am häufigsten ist sie im 6. und 7. Lebensjahrzehnt. Das heißt, mindestens 65.000 - 80.000 Deutsche müssten wegen solch eines Aneurysmas behandelt werden.


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Was ist das Schlimme an solch einem Aneurysma?

Früher starben über 80% der Menschen, bei denen ein Aneurysma auftrat, innerhalb von 5 Jahren. In Großbritannien z. B. sterben pro Jahr ca. 10.000 Menschen an einer geplatzten Bauchschlagader.
Die Wahrscheinlichkeit, dass solch eine Hauptschlagader bei einem Aneurysma platzt, hängt von der  Größe ihrer Aufweitung ab. Sind es weniger als 4 cm Durchmesser liegt die Gefahr unter 5%. Ist der Durchmesser größer als 5 cm, liegt die Gefahr innerhalb von 5 Jahren schon bei 25%. Und bei einem Durchmesser von mehr als 7 cm liegt sogar das jährliche Risiko eines Platzens der Schlagader bei 20%! Dass eine rechtzeitige Operation viel helfen kann, zeigen die Zahlen: 68% der operierten Patienten leben auch nach 5 Jahren noch. Bei denen, die nicht operiert wurden, waren nach 5 Jahren nur noch 17% am  eben! Die Folgerung ist klar, Therapie bevor die Ader platzt! Wenn beim Patienten keine wesentlichen Risikofaktoren vorhanden sind, ist die Operation - auch bei alten Menschen - durchaus zu empfehlen. Außerdem gibt es ja heute verschiedene Therapiemöglichkeiten, z. B. auch mit einer sog. "Stent- Prothese", die das Operationsrisiko deutlich senken kann.

Bild: Geplatzte Bauchschlagader, die nur noch von der Außenhaut der Ader halbwegs gehalten wird. Die Hauptschlagader füllt fast den gesamten Bauchraum aus!


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Wie erkenne ich ein Aneurysma?

Im Prinzip ist ein Bauchaorten-Aneurysma schmerzfrei, es wird oft nicht bemerkt. Auffällige Pulsationen im Bauch können ein Hinweis sein. Treten Schmerzen auf, signalisiert der Körper damit, dass eine Operation absolut dringlich ist. Platzt die Hauptschlagader, so ist das ein lebensbedrohender Notfall. Nur 40 - 50% der Menschen, denen dies zustößt, haben die Chance, durch eine sofortige Therapie gerettet zu werden. Eine einfache Untersuchung, der Ultraschall des Bauchraumes, kann zur Entdeckung eines Aneurysmas führen. 

Bild: Aneurysma in der Songraphie


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Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Nach der ersten Bauchschlagader-Aneurysma- Operation 1951 gilt diese Operation heute in einem  Gefäßchirurgischen Zentrum als Standardeingriff. Das am häufigsten angewandte Therapieverfahren ist die offene chirurgische Aneurysma-Ausschaltung, indem die erweiterte Bauchschlagader durch eine Kunststoffprothese ersetzt wird. Unterhalb der Abgänge der Nierenschlagader wird die Hauptschlagader durchtrennt und eine Kunststoffprothese, sozusagen "Stoß auf Stoß" eingenäht. Dazu ist ein Bauchschnitt erforderlich.
Oft müssen auch beide Becken-schlagadern durch eine sog. "Y-förmige" Kunststoffprothese mit 2 Prothesenschenkeln für die Beckenschlagadern ersetzt werden. Die schwerste Belastung für den Patienten ist bei dieser großen Operation, dass das Abklemmen der Hauptschlagader die Blutzufuhr in die untere Körperhälfte zeitweise ausschaltet (Herzbelastung). Dies setzt ein hervorragendes und enges Zusammenspiel der Narkose- und Operationsärzte voraus. Der Blutverlust, der bei dieser Operation immer entsteht, stellt eine weitere Belastung für den Patienten dar. Es wird versucht, um Fremdblut zu vermeiden, dass der Patient, wenn möglich, vor der Operation eigenes Blut spendet. Außerdem wird während der Operation das anfallende Blut aufgesaugt und als Eigenkonserve aufgearbeitet und wieder zurückgegeben. Inzwischen ist dieses Operationsmanagement soweit standardisiert, dass die Zahl der Todesfälle bei solchen Operationen erheblich gesenkt werden konnte (3 - 5%). Natürlich sind diese Zahlen risiko- und altersabhängig.
Inzwischen gibt es jedoch auch die Möglichkeit einer sog. "endovaskulären Stent-Prothesen-Implantation". Bei diesen Stent-Prothesen handelt es sich um zusammenfaltbare Gitterröhren, sog. Stents, die mit einer Kunststoffhaut beschichtet sind. Bei dieser Behandlungsmethode, also der Ausschaltung des Bauchaorten- Aneurysmas durch das Einbringen einer solchen metallgestützten Kunststoffprothese nach dem Prinzip "Rohr in Rohr", geht man natürlich anders vor. Man behandelt das Aneurysma sozusagen "von innen". Solch eine Stent-Prothese wird über eine Öffnung der Leistenschlagader in die Bauchschlagader unter Kontrolle auf dem Röntgenschirm vorgebracht und dann dort entfaltet und verankert. Diese Operationsmethode belastet die Kranken bedeutend weniger, da der Bauchraum nicht geöffnet werden muss. Das Problem dieser modernen Behandlungsmethode liegt aber darin, dass man die Stent-Prothese in einem gesunden Gefäßabschnitt verankern muss, um das Aneurysma sicher aus dem Blutstrom auszuschalten. Deshalb kommen zur Zeit nur ca. 30 - 40% aller Patienten mit einem Bauchaorten-Aneurysma für diese Methode in Frage. Die stetigen Weiterentwicklungen in der Medizintechnik werden aber in Zukunft die Möglichkeiten des Einsatzes einer solchen Stent-Prothese sicherlich erweitern. Dieses neue Therapieverfahren beeindruckt, wie wenig der Patient durch den Eingriff belastet wird. Er kann durch die fehlende Bauchöffnung sehr schnell mobilisiert werden, die Darmfunktion ist nach der OP nicht gestört, wenige Tage im Krankenhaus genügen bis zur völligen Wiederherstellung. Trotz dieser sozusagen "einfacheren" Behandlungsmethode liegt auch hier die Sterblichkeitsrate bei der Aneurysma-Ausschaltung durch eine Stent-Prothese nicht bei Null. Das Unklare bei dieser Methode sind vor allem geringe Erfahrungen mit der Langzeithaltbarkeit des Systems. Deshalb muss der behandelnde Gefäßchirurg sorgfältig das für den jeweiligen Patienten passende oder beste Therapieverfahren aussuchen, um das gefährliche Bauchaorten-Aneurysma sicher und dauerhaft ausschalten zu können. Vorsorgen hilft, lassen Sie sich beraten!


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Wie geht es nach einer Operation weiter?


In der Regel erfolgt nach dem stationären Aufenthalt eine Anschlussheilbehandlung. Die Erholungsphase bis zur Arbeitsfähigkeit nimmt 6-10 Wochen in Anspruch. Bis dahin stellt Spazieren gehen die beste Methode dar, um wieder leistungsfähig zu werden. Das Heben schwerer Lasten (>5kg) sollte 3 Monate lang vermieden werden, um einen Narbenbruch zu vermeiden. Risikofaktoren, wie Rauchen, erhöhte Blutfettwerte, Zuckerkrankheit, Übergewicht und andere sollten unbedingt von Ihnen unter Kontrolle gebracht werden.

In Anlehnung an die Patienteninformation der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie.


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