Mit dem Herzkatheterlabor im Jahr 2007 fing alles an: Das Kreisklinikum
Garmisch-Partenkirchen baute in seinem Murnauer Zentrum für Innere Medizin, das
unter dem Dach des Unfallkrankenhauses angesiedelt ist, das kardiologische
Angebot aus. 2200 Patienten wurden im vergangenen Jahr in den Labors in
Garmisch-Partenkirchen (rund 1400) und Murnau (rund 800) behandelt. Mit dem
Katheter können Herz und –kranzgefäße durch ein Röntgenverfahren untersucht
werden; unter anderem lassen sich Gefäße bei einem Verschluss oder bei
Verengungen aufweiten. Nun ist das Klinikum in Murnau den nächsten Schritt
gegangen. Es ergänzte die Ausstattung und richtete für rund eine halbe Million
Euro einen elektrophysiologischen Messplatz ein, mit dem Patienten untersucht
und behandelt werden können, die an Herzrhythmusstörungen leiden. Murnau stelle
damit "das leistungsfähige kardiologische Zentrum südlich von München" dar,
erklärt Kreisklinikums-Geschäftsführer Wolfgang Türk. In der Gegend gebe es
dieses Angebot kein zweites Mal. Die Marktgemeinde erhielt bei der Standort-Wahl
den Vorzug vor Garmisch-Partenkirchen. Die Abteilung verfüge im
Herzkatheterlabor über das neuere Gerät, das leichter umrüstbar sei, zudem liege
sie geografisch günstiger, was das Einzugsgebiet betrifft, sagt Türk, der auch
mit Patienten etwas aus dem Bereich Weilheim-Schongau rechnet. Als Leiter der
Rhythmologie habe sein Haus einen "ausgewiesenen Spezialisten" gewonnen: Dr.
Gerd Bürkle, der bereits seit Oktober 2009 zunächst tageweise in Murnau die
Gerätschaften testete und das Labor aufbaute. Auch das Personal musste geschult
werden. Bürkle, ergänzt Dr. Franz Dotzer, Kardiologe und Chefarzt am Zentrum für
Innere Medizin, besitze 20 Jahre Erfahrung auf seinem Fachgebiet; er sei mit
einer Österreicherin verheiratet und wohne in Seefeld. Nach Angeben Dotzers
stellt das Vorhofflimmern, eine spezielle Herzrhythmusstörung,
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ein wachsendes Problem in der Kardiologie dar. Aus der Statistik für
2009 gehe hervor, dass bei 2000 der 20 000 Patienten, die das Kreisklinikum in
Murnau und Garmisch-Partenkirchen behandelte, die Diagnose Vorhofflimmern
gestellt worden sei – also bei zehn Prozent. Die zeitaufwändige Behandlung mit
dem elektrophysiologischen Messplatz kommt indes nur für einen Teil der
Betroffenen in Frage, der gewisse medizinische Voraussetzungen erfüllt. Mit
dem neuen Angebot, meint Dotzer, werde das Herzkatheterlabor in Murnau "rasch
ausgelastet sein. Wir sind bereits am Überlegen, ob wir ein zweites brauchen."
Eines würde dann speziell für die Elektrophysiologie reserviert sein. Das zwölf
Jahre alte Herzkatheterlabor in Garmisch-Partenkirchen soll nach Angaben Dotzers
zum Jahresende erneuert werden. Der kardiologische Schwerpunkt aber scheint
sich in den Norden des Landkreises zu verschieben. "Murnau ist unser
Wachstumsmarkt", sagt Dotzer. Der Mediziner schließt ebenso wie Geschäftsführer
Türk den nächsten großen Schritt nicht aus: bestimmte Bereiche der
Herzchirurgie, die in Kooperation mit dem Deutschen Herzzentrum in München, in
dem Dotzer gearbeitet hat, möglich wären. Geplant sei, gemeinsam mit dem
renommierten Haus Aortaklappen über Gefäße einzusetzen. Angesichts der guten,
vertrauensvollen Zusammenarbeit, meint der Chefarzt, "möchte ich nicht
ausschließen, dass wir einen Fuß in der Tür haben". In München stehe eine mobile
Herz-Lungen-Maschine, die zum Einsatz kommen könnte. Das Herzzentrum weiß
Dotzer, habe zudem Kapazitätsprobleme im Hinblick darauf, "wo es Patienten
hinlegen soll". Der Direktor, Prof. Dr. Rüdiger Lange, habe sich zuletzt bereits
in Murnau aufgehalten. Türk stellt generell klar: "Wir wollen uns ständig
weiterentwickeln und unser Angebot verbessern." |