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Neuer Messplatz ein "echter Segen"

Spezialausstattung zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen der Öffentlichkeit vorgestellt - Kosten: 500 000 Euro

Quantensprung in der medizinischen Versorgung von Murnau und Umgebung: Mit dem neuen elektrophysiologischen Messplatz können Patienten behandelt werden, die früher zum Sterben verurteilt waren. Dies machte der Experte Dr. Gerd Bürkle gestern bei einem Pressetermin in der Murnau Unfallklinik deutlich.
Wie berichtet gibt es an dem Hospital seit kurzem eine neue Spezial-Ausstattung zur Untersuchung und Behandlung von Herzrhythmusstörungen. Das Kreisklinikum Garmisch-Partenkirchen hat den Messplatz in seinem Murnauer Zentrum für Innere Medizin platziert, das in den Räumen der Unfallklinik beheimatet ist. Die Kosten belaufen sich auf rund 500 000 Euro.
Dr. Gerd Bürkle, der die Rhythmologie leitet, ist bereits seit Oktober tageweise in Murnau und wird dann ab 1. April Vollzeit in Einsatz sein. Der Fachmann wurde im Schwarzwald geboren. Zuletzt war der 46-Jährige leitender Arzt der Rhythmologie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier.
Herzrhythmusstörungen sind nach Bürkles Worten häufig harmlos, sollten aber immer untersucht werden. Sie entstünden bei "Kurzschlüssen" und "Fehlzündungen" im "Kabelsystem" des Herzens. Der neue Messplatz diene nicht nur der Diagnose, sondern auch zur Therapie.
"Mittels in das Herz eingeführter Katheter wird hierbei die Herzelektrik innerlich erfasst, Störungen erkannt und im selben Untersuchungsgang werden über eine gezielte, millimetergenaue Abgabe von Hitze oder auch neuerdings Kälte (bis zu minus 80 Grad) die störenden Zellen vernichtet",

 

 

heißt es in einer Presseinformation. Vereisungen seien schonender für Gewebe, sagte Bürkle.
Bei 80 bis 100 Prozent der Patienten könne man einen Langzeiterfolg erzielen. Medikamente dagegen drängten die Symptome lediglich in den Hintergrund, "werden aber dem Übel nicht Herr" betonte Bürkle. Nach seiner Einschätzung ist der Messplatz "ein echter Segen"
Die Verantwortlichen zeigen sich froh, mit Bürkle eine ausgesprochene Koryphäe gewonnen zu haben. Porf. Dr. Hans-Dieter Allescher, Chefarzt am Zentrum für Innere Medizin, sprach von einer "unheimlichen Bereicherung". Bürkle habe am Herzzentrum Bad Krozingen gelernt – "dem Mekka der Kardiologie". Auch Dr. Franz Dotzer, Kardiologe und Chefarzt am Zentrum für Innere Medizin, ist schwer begeistert. In seinen Augen ist es ein "Glücksfall", dass Bürkle künftig in Murnau tätig ist. Laut Dotzer gibt es in Deutschland nur wenige Rhythmologen, "die man empfehlen kann". Bürkle gab sich indes bescheiden: "Ein Rhythmologe ist nur so gut wie sein Team."
Mit dem neuen elektrophysiologischen Messplatz könne man die Kardiologie abrunden, resümierte Dotzer. Auch für die Weiterbildung sei die neue Spezial-Ausstattung von Bedeutung. "Man muss für den Ärztenachwuchs attraktiv bleiben", betonte er. Das Klinikum ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximiliams-Universität München. Landrat Harald Kühn (CSU), Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums, bezeichnete das neue Labor als "wichtigen Meilenstein in der Geschichte unseres Hauses".

Herz-Zentrum südlich von München

Das Klinikum Garmisch-Partenkirchen hat die Versorgung von Herz-Patienten in Murnau erneut verbessert - mit einer Spezial-Ausstattung, die zur Untersuchung und Behandlung von Rhythmusstörungen dient. Dieses Angebot, heißt es, sei in der Region einzigartig.

Mit dem Herzkatheterlabor im Jahr 2007 fing alles an: Das Kreisklinikum Garmisch-Partenkirchen baute in seinem Murnauer Zentrum für Innere Medizin, das unter dem Dach des Unfallkrankenhauses angesiedelt ist, das kardiologische Angebot aus. 2200 Patienten wurden im vergangenen Jahr in den Labors in Garmisch-Partenkirchen (rund 1400) und Murnau (rund 800) behandelt. Mit dem Katheter können Herz und –kranzgefäße durch ein Röntgenverfahren untersucht werden; unter anderem lassen sich Gefäße bei einem Verschluss oder bei Verengungen aufweiten.
Nun ist das Klinikum in Murnau den nächsten Schritt gegangen. Es ergänzte die Ausstattung und richtete für rund eine halbe Million Euro einen elektrophysiologischen Messplatz ein, mit dem Patienten untersucht und behandelt werden können, die an Herzrhythmusstörungen leiden. Murnau stelle damit "das leistungsfähige kardiologische Zentrum südlich von München" dar, erklärt Kreisklinikums-Geschäftsführer Wolfgang Türk. In der Gegend gebe es dieses Angebot kein zweites Mal. Die Marktgemeinde erhielt bei der Standort-Wahl den Vorzug vor Garmisch-Partenkirchen. Die Abteilung verfüge im Herzkatheterlabor über das neuere Gerät, das leichter umrüstbar sei, zudem liege sie geografisch günstiger, was das Einzugsgebiet betrifft, sagt Türk, der auch mit Patienten etwas aus dem Bereich Weilheim-Schongau rechnet. Als Leiter der Rhythmologie habe sein Haus einen "ausgewiesenen Spezialisten" gewonnen: Dr. Gerd Bürkle, der bereits seit Oktober 2009 zunächst tageweise in Murnau die Gerätschaften testete und das Labor aufbaute. Auch das Personal musste geschult werden. Bürkle, ergänzt Dr. Franz Dotzer, Kardiologe und Chefarzt am Zentrum für Innere Medizin, besitze 20 Jahre Erfahrung auf seinem Fachgebiet; er sei mit einer Österreicherin verheiratet und wohne in Seefeld.
Nach Angeben Dotzers stellt das Vorhofflimmern, eine spezielle Herzrhythmusstörung,

ein wachsendes Problem  in der Kardiologie dar.
Aus der Statistik für 2009 gehe hervor, dass bei 2000 der 20 000 Patienten, die das Kreisklinikum in Murnau und Garmisch-Partenkirchen behandelte, die Diagnose Vorhofflimmern gestellt worden sei – also bei zehn Prozent. Die zeitaufwändige Behandlung mit dem elektrophysiologischen Messplatz kommt indes nur für einen Teil der Betroffenen in Frage, der gewisse medizinische Voraussetzungen erfüllt.
Mit dem neuen Angebot, meint Dotzer, werde das Herzkatheterlabor in Murnau "rasch ausgelastet sein. Wir sind bereits am Überlegen, ob wir ein zweites brauchen." Eines würde dann speziell für die Elektrophysiologie reserviert sein. Das zwölf Jahre alte Herzkatheterlabor in Garmisch-Partenkirchen soll nach Angaben Dotzers zum Jahresende erneuert werden.
Der kardiologische Schwerpunkt aber scheint sich in den Norden des Landkreises zu verschieben. "Murnau ist unser Wachstumsmarkt", sagt Dotzer. Der Mediziner schließt ebenso wie Geschäftsführer Türk den nächsten großen Schritt nicht aus: bestimmte Bereiche der Herzchirurgie, die in Kooperation mit dem Deutschen Herzzentrum in München, in dem Dotzer gearbeitet hat, möglich wären. Geplant sei, gemeinsam mit dem renommierten Haus Aortaklappen über Gefäße einzusetzen. Angesichts der guten, vertrauensvollen Zusammenarbeit, meint der Chefarzt, "möchte ich nicht ausschließen, dass wir einen Fuß in der Tür haben". In München stehe eine mobile Herz-Lungen-Maschine, die zum Einsatz kommen könnte. Das Herzzentrum weiß Dotzer, habe zudem Kapazitätsprobleme im Hinblick darauf, "wo es Patienten hinlegen soll". Der Direktor, Prof. Dr. Rüdiger Lange, habe sich zuletzt bereits in Murnau aufgehalten.
Türk stellt generell klar: "Wir wollen uns ständig weiterentwickeln und unser Angebot verbessern."

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt vom 13. und 18. März 2010