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Garteln tut auch der kranken Seele gut

Ein Leben ohne Garten ist für Georg Schmötzer unvorstellbar. Was ihm gut tut, soll auch Kranken bei der Heilung helfen. Deshalb hat sich de Gärtner der Grünanlagen am hiesigen Klinikum angenommen. Patienten arbeiten begeistert mit.

GAP – Der Riedhauser ist ein Meister seines Fachs. Mit seinen 64 Jahren hat er sich von der beruflichen Gärtnerei zurückgezogen. Als er 2009 mit einem Schulterbruch im Garmisch-Partenkirchner Krankenhaus gelandet ist, zog es ihn als erstes in den Patientengarten hinaus. Was er da sah, fand er verbesserungswürdig. Schmötzer ging mit seinen Vorschlägen zu den Verantwortlichen und stieß auf offene Ohren. Seit einem halben Jahr steht er bei den Lech-Mangfall-Kliniken, die sich um psychisch erkrankte Menschen kümmern, unter Vertrag. Chefarzt Josef Scherer sieht in der Gärtnerei eine perfekte Ergänzung der Therapie-Palette: „Nicht alle Patienten sind von Kunst und Tanz angetan. Denen können wir nun etwas Handfestes bieten.“
Schmötzers Schwester ist Oberärztin für Kinder und Jugendpsychatrie an der Universitätsklinik Frankfurt. Bei ihr holte er sich wertvollen Rat für sein Projekt. Und mit seiner Riedhauser Nachbarin Edith Becker, die Kunsttherapeutin bei den Lech-Mangfall-Kliniken ist, und ihren Kollegen bespricht er seien Ideen ohnehin. Jeden Donnerstag rückt Schmötzer mit Schubkarren und Werkzeug an und sieht mit Freude, wie sich der Garten belebt. Denn das ist sein Ziel: „Die Patienten sollen sich dort richtig wohl fühlen und erholen.
Deswegen hat er mit seiner Therapiegruppe Birne und Ginko für Schattenplätze gepflanzt und gezielt ausgelichtet, damit man überall auf die Berge schauen kann. Die neue Hortensienhecke, die den Biergarten von grünen „Ruheraum“ trennt, hat sich prächtig entwickelt. Ein Birnenspalier und Zieräpfel begrünen die Kapellenwand. Der erfahrene Profi hat jede Maßnahme gründlich geplant: „Im Frühjahr wird der Zwergfieder seinen Duft verströmen und die Zaubernuss wird schon im Februar mit den ersten Blüten das triste Grau aufhellen“, kündigt er an. Überall spüren Kranke, Besucher und Mitarbeiter die Hand des Gärtners.

Im kleinen Hof der Psychiatrie plätschert das Wasserspiel, „einschließlich Graben bis zum Stromanschluss an drei Tagen mit den Patienten gebaut“, sagt Schmötzer stolz. Schön wird es erst, wenn in zwei Jahren Moos auf den Basaltstelen wächst und sich ganz nah daran die Clematis an den Stahlträgern hochrankt. Es hat sich herumgesprochen, wie viel Spaß die temporären Klinikbewohner bei dieser Arbeit haben. Auch Gerald Niedermeier, Geschäftsführer der Lech-Mangfall-Kliniken, ist vom Engagement Schmötzers beeindruckt: „Die Patienten halten sich bei uns auf oft monatelang auf. Es ist ganz wichtig, dass sie Fähigkeiten trainieren, die sie für den Alltag brauchen.“ Chefarzt Josef Scherer beobachtet, wie durch die praktische Arbeit im Garten die positive Lebenseinstellung wächst. Er vergleicht die Therapie mit einer Reha beim Bandscheibenvorfall: „Dort wird das Organ trainiert, bei uns die Psyche.“
Auch nach der Erfahrung von Kunsttherapeutin Edith Becker ist der Umgang mit Pflanzen für Menschen in einer Depression bereichernd. „Der Fokus wird nach außen gerichtet, sie kommen weg vom Grübeln.“ Den Kranken gehe es wie einem selbst: Im Garten kommen sie zu sich, können in der Erde buddeln, sich an den Rosen freuen, zusehen wie etwas, das sie selbst gepflanzt haben, wächst. Das tut gut.
Die Resonanz der Patienten ist für Georg Schmötzer die schönste Motivation. Und während seine Helfer mit der Gießkanne ausrücken, Verblühtes abschneiden und die Birnen zählen, schmiedet er neue Pläne. Malt sich das Spiel von Licht und Schatten in Andachtsraum aus, wenn vor dem Kapellenfenster erst einmal ausgelichtet ist. Und wie man am Kräutereck, das er im nächsten Jahr samt einer Natursteinmauer schaffen will, riechen, pflücken und pflegen kann. An Grünflächen, die der „ewige Gärtner“ mit seiner Therapiegruppe unter seine Fittiche nehmen kann, ist auf dem Klinikumsareal kein Mangel.

Quelle: Garmischer-Partenkirchner Tagblatt vom 22.10.2010