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Inkontinenz muss kein Tabuthema sein

Serie "Gesundheit im Dialog": Experten beraten in Spielbank über Therapieformen

Es ist nach wie vor ein Tabuthema, obwohl allein in Deutschland sechs Millionen Frauen und Männer darunter leiden. Obwohl der Betroffene relativ problemlos davon befreit werden kann, schämt er sich, darüber zu sprechen oder zum Arzt zu gehen: Die Rede ist von der Inkontinenz, vom nicht unterdrückbaren Urinverlust, der fast jedem zehnten Bundesbürger die Lebensqualität vermiest.
Das ist auch der Grund, warum "Gesundheit im Dialog", die erfolgreiche Medizin-Info-Serie vom Klinikum und Volkshochschule Garmisch-Partenkirchen, das Thema bei der nächsten Veranstaltung am morgigen Dienstag aufgreift. Wie gewohnt werden drei heimische Ärzte nicht nur informieren, sonder auch die Fragen ihrer Zuhörer beantworten. Moderator Dr. Stefan Nöldeke, Chefarzt der Gefäßchirurgie am Klinikum. Seine drei Gäste aus dem Bereich Urologie sind Chefarzt Prof. Dr. Herbert Leyh, Oberarzt Dr. Stefan Keller und Dr. Thomas Berger. Weil in manchen Fällen auch gymnastisch geholfen werden kann, etwa mit Beckenboden-Übungen, wird auch die Physiotherapeutin Doreen Schrader für praktische Ratschläge hinzugezogen. "Schon weil Millionen Menschen mit Inkontinenz zu kämpfen haben, sollte sie eigentlich alles andere als tabu sein", betont Nöldeke, "denn wir können sowohl mit konservativen

als auch in schweren Fällen operativ sehr effizient helfen." Und das auch bei älteren Menschen. "Alle Therapieformen, die wir vorstellen, sind auch bei über 80-jährigen erfolgreich anwendbar werden", bestätigt Oberarzt Keller.
Es gibt zwar mehrere Formen der Erkrankung, die Veranstaltung am Dienstag befasst sich deshalb nur mit den zwei wichtigsten, der Belastungs- und der Dranginkontinenz. "Letztere kann die Folge von Entzündungen der Harnblase oder –röhre sein, oder von Einengungen der Harnröhre im Zusammenhang mit Prostata-Erkrankungen", betont Berger. "Sie kann erst einmal konservativ behandelt werden." Bei der Belastungsinkontinenz hingegen sei oft der erhöhte Bauch-Innendruck, beispielsweise durch Heben, Tragen, ja sogar Lachen, Husten oder Niesen der Auslöser, weiß Keller. In solchen Fällen können die Ärzte die Harnröhre anheben, auch ein künstlicher Schließmuskel ist möglich. Kleine operative Eingriffe, die für die Experten zum Tagesgeschäft gehören.
Wichtig sei in jedem Fall eine gründliche Beratung beim niedergelassenen Arzt, darauf verweisen die Doktoren mit aller Vehemenz. Beim Expertenabend am Dienstag ist jedenfalls schon einmal reichlich kompetenter Rat von Fachleuten geboten.

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt vom 12. April 2010