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Abteilung für Gefäßchirurgie - Vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie - Venenzentrum
Periphere Durchblutungsstörungen (Periphere Arterielle Verschlusskrankheit, PAVK)

Mobilität ist Leben! Mobilität ist ein Merkmal unserer Zeit. Wir sind viel unterwegs: mit dem Auto, der Bahn, dem Flugzeug. Und natürlich auch zu Fuß. Für etwa eine Million Menschen in Deutschland ist letzteres nicht mehr so selbstverständlich. Sie leiden unter einer Gefäßkrankheit, die ihre Bewegungsfreiheit einschränkt und ihre Gesundheit bedroht, der Peripheren Arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK).

Die Folgen können gravierend sein: Schmerzen beim Gehen, offene Beine, Verlust von Gliedmaßen. Aber wir stehen dieser Erkrankung nicht hilflos gegenüber. Wir kennen die Einflüsse, die eine pAVK begünstigen, und können sie gezielt bekämpfen.

PAVK – Was ist das?

Bei der Peripheren Arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) ist die Blutversorgung der Beine oder der Arme gestört. Ursache ist eine zumeist arteriosklerotische Verengung der „peripheren“ Arterien, wie die Bein- und Armarterien auch bezeichnet werden. Da die Arteriosklerose den ganzen Menschen betrifft sind sehr häufig auch die Herzkranzgefässe (Gefahr des Herzinfarkts), die Halsschlagadern (Gefahr des Schlaganfalls) und andere Schlagadern erkrankt. Ihr behandelnder Arzt wird gegebenenfalls weitergehende Untersuchungen veranlassen. Bei Schlaganfall und Herzinfarkt ist jede Minute kostbar.

Bei Verdacht: nicht zögern, Notarzt rufen!

Welche Beschwerden macht eine PAVK?


Für eine Durchblutungsstörung der Beine ist es daher charakteristisch, dass die Beschwerden erstmals bei besonderer Belastung (schnelles Gehen, rasches Treppensteigen) bemerkt werden, und beim Stehen bleiben rasch wieder nachlassen. Diese Typische Gehbehinderung hat zur Bezeichnung intermittierendes Hinken (Claudicatio intemittens) geführt. Umgangssprachlich existiert auch der Begriff "Schaufensterkrankheit": Man tut so, als bleibe man nur stehen, um in ein Schaufenster zu schauen und versucht dadurch, die Erkrankung zu verheimlichen. Erst bei langem und ausgeprägten Bestehen von Durchblutungsstörungen entstehen bleibende Schäden am Gewebe (z.B. „Raucherbein“) - diese Entwicklung ist medizinisch in den meisten Fällen zu verhindern. Sind die Arme betroffen, so ist es oft eine anstrengende Arbeit mit Heben der Arme (Wäsche aufhängen, Auto polieren), die zur Entdeckung der Störung führt.

Stadieneinteilung der PAVK

Stadium I       
Es bestehen Verengungen der Arterien, aber noch keine Beschwerden. Die pAVK entwickelt sich allmählich, kann lange Zeit unbemerkt bleiben und ruft vielfach erst im höheren Lebensalter Beschwerden hervor. Allerdings ist das Tempo, mit dem sich die Erkrankung entwickelt, individuell sehr unterschiedlich.

Stadium II
Die Schmerzen zwingen zu regelmäßigen Pausen, was diesem Krankheitsstadium den Namen "Claudicatio intermittens" ("unterbrochenes Hinken") gegeben hat. Nicht selten wird die Erholungspause durch den unauffälligen Halt vor einem Schaufenster getarnt. Man spricht daher auch von "Schaufensterkrankheit". Mit den Schmerzen signalisiert die Muskulatur, dass sie unter Sauerstoff-Mangel leidet. Beim Gehen wird sie nämlich stärker beansprucht, braucht mehr Sauerstoff und muss entsprechend besser durchblutet werden. Dies aber geht nicht: durch die verengten Arterien kann nicht so viel Blut fließen, wie benötigt wird.

Stadium III
Gelingt es nicht, die pAVK zu stoppen, wird die Durchblutung immer weiter behindert. Die Schmerzen stellen sich dann auch in Ruhe ein, besonders nachts, wenn die Beine hochliegen.

Stadium IV
Auch kleinste Verletzungen heilen nur noch schlecht, Infektionen können auftreten, Gewebe kann zugrunde gehen. Kann ein ausreichender Blutfluss nicht wiederhergestellt werden, ist im schlimmsten Fall sogar eine Amputation notwendig

Der akute Gefäßverschluss – Was ist zu tun?

Ähnlich wie bei Herzinfarkt und Schlaganfall kann es auch zu einem plötzlichen Verschluss einer Arm- oder Beinarterie kommen.

Typische Symptome sind: plötzlicher Schmerz, Blässe, Pulslosigkeit, Schwäche, Gefühllosigkeit, Erschöpfung. Jede Minute ist kostbar. Nicht zögern, Notarzt rufen! Hier kommt es darauf an, das verschlossene Gefäß schnellstmöglich wieder zu öffnen. Dem Betroffenen sollte man bis zum Eintreffen des Notarztes Erste Hilfe leisten:

  • Bein tief lagern und einen lockeren Watteverband anlegen
  • dem Notarzt die Medikamente, die der Betroffene einnimmt, aufschreiben und mitgeben.

Auf keinen Fall Wärmflasche benutzen oder Medikamente zur Durchblutungsförderung geben!



Was kann man bei der PAVK tun?

Der Verlauf der pAVK ist individuell sehr unterschiedlich. Viel hängt davon ab, ob es gelingt, die Arteriosklerose zu stoppen. Denn je stärker sich die Arterien verengen, um so schlechter die Durchblutung. Beschwerden und Schmerzen nehmen dann immer mehr zu.

Welche Untersuchungsmethoden gibt es?
Sehr häufig ergibt sich bereits bei der klinischen Untersuchung durch den Arzt der Verdacht auf eine AVK. Fehlende oder schwache Pulse über den Schlagadern der Beine sind typische Zeichen. Mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung können bereits Engstellen oder Verschlüsse erkannt und lokalisiert werden. Je nach Befund und geplanter Behandlung reicht bereits die Ultraschalluntersuchung (Dopplersonografie, Duplex- oder Farbdopplersonografie) aus. Bei einer Röntgenuntersuchung der Gefäße mit Kontrastmittel (Angiografie) wird eine Schlagader (meist in der Leiste) in örtlicher Betäubung punktiert und über einen Katheter Kontrastmittel in die Gefäße eingespritzt. So werden das Innere der Gefäße und damit auch Engstellen oder Verschlüsse sichtbar. Auch bei einer Computertomografie werden Gefäße und ihre Veränderungen erkannt. Mit der Magnetresonanzangiografie (Kernspintomografie) können Gefäße ohne Verwendung von Röntgenstrahlen mit Hilfe eines Magnetfeldes untersucht werden. Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe an Untersuchungsmethoden (z. B. Messung des Sauerstoffdruckes im Gewebe, Betrachtung der Haargefäße im Nagelbett unter dem Mikroskop, etc.), die jeweils bei einer speziellen Fragestellung eingesetzt werden können.

Kampf den Risikofaktoren
Der Schlüssel zum dauerhaften Erfolg gegen die PAVK liegt in der konsequenten Bekämpfung der Risikofaktoren (Rauchen, Bluthochdruck, hohe Blutfette, Diabetes, Übergewicht). Hier können Sie selbst am meisten für Ihre Gesundheit tun. Und für jeden hier erzielten Erfolg werden Sie gleich mehrfach belohnt: es wird nicht nur die PAVK positiv beeinflusst, sondern auch das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall gesenkt.

Bewegungstraining: Schritte in die richtige Richtung!
Im frühen Stadium bilden Gehtraining und spezielle Gymnastik die Grundlage der Behandlung. Zielsetzung ist, die Beschwerden zu verringern und die Gehstrecke zu verlängern. Wichtig: Das Programm sollte mit Ihrem Arzt abgestimmt sein, denn bei Ruheschmerzen oder wenn schon Gewebe untergegangen ist, kommt das Bewegungstraining in der Regel nicht mehr in Frage. Gerade die Bewegung zu üben, die doch Schmerzen hervorruft, erscheint widersprüchlich. Aber das regelmäßige Training ist erwiesenermaßen sehr wirksam. Es führt unter anderem zur Bildung neuer Blutgefäße, die einen verstopften Gefäßabschnitt umgehen und die Muskulatur wieder mit Sauerstoff versorgen können. Die Schmerzen nehmen ab, die mögliche Gehstrecke wird oft erheblich verlängert. Für das gesamte Bewegungstraining gilt: Regelmäßigkeit ist wichtiger als Intensität.

Medikamente
Zur Therapie der pAVK steht dem Arzt auch eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung. Thrombozytenfunktionshemmer (z.B. Acetylsalicylsäure (ASS), Clopidogrel) werden vor allem eingesetzt, um das Risiko ernster Komplikationen wie z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall oder akuter Gefäßverschluss zu verhindern.
Bestimmte Formen der Blutgerinnsel lassen sich besser mit Substanzen verhindern, die nicht auf die Blutplättchen wirken, sondern die Gerinnungsfähigkeit des Blutes auf andere Weise herabsetzen. Diese Gerinnungshemmer (Antikoagulantien) können beispielsweise nach Gefäßoperationen zum Einsatz kommen oder dann, wenn die Gefahr einer Gerinnselbildung im Herzen besteht, wie bei bestimmten Herzrhythmusstörungen oder nach einem Herzinfarkt. Durchblutungsfördernde Substanzen verbessern vor allem die Fließeigenschaften des Blutes und wirken auch gefäßerweiternd. Ihr Arzt wird sie je nach Bedarf einsetzen. Natürlich stehen auch wirksame Schmerzmittel und Medikamente zur Infektionsbehandlung (Antibiotika) zur Verfügung.

Operative Verfahren
Es besteht die Möglichkeit, eine verengte Arterie operativ wieder zu erweitern oder eine "Umleitung" um die Engstelle zu legen. Solche operative Verfahren kommen vor allem dann in Betracht, wenn nur noch eine kurze schmerzfreie Gehstrecke oder sogar schon Gewebedefekte (Nekrosen) vorliegen.  Welches Verfahren angewendet wird, hängt von vielen Faktoren ab - unter anderem vom Ausmaß der Erkrankung und vom Sitz der Gefäßverengungen.

Die Ballondilatation (PTA) ist eine der Standardmethoden, bei der mit einem Ballonkatheter das arteriosklerotische Polster zurückdrängt wird und damit der Engpass beseitigt wird. Zusätzlich kann eine Gefäßstütze eingesetzt werden, um einen Wiederverschluss zu verhindern.

Gefäßaufdehnung (Ballondilatation, PTA, Stent)
Bei der Aufdehnung einer Arterie mit einem Ballonkatheter wird in örtlicher Betäubung ein Katheter in die Schlagader eingeführt (meist über die Leiste) und nach Röntgenkontrolle in die Engstelle oder den Verschluss vorgeschoben. Durch Aufblasen eines Ballons an der Spitze des Katheters wird das Gefäß dann bis zur gewünschten Weite aufgedehnt (Ballondilatation, abgekürzt PTA).

Der Eingriff selbst ist nicht
schmerzhaft, bei Einspritzen von Kontrastmittel kann jedoch ein Wärmegefühl im Bein entstehen. Lässt sich die Engstelle oder der Verschluss nicht alleine durch die Aufdehnung beseitigen wird eine Gefäßstütze aus Metall eingesetzt (Stent). Der Stent entfaltet sich im Gefäß oder wird mit dem Ballonkatheter an die Gefäßwand gedrückt. Nach dem Entfernen des Katheters wird die Einstichstelle abgedrückt oder in selteneren Fällen mit einem speziellen Verschlußsystem abgedichtet. Danach wird für einige Stunden ein Druckverband angelegt und Bettruhe verordnet. Die Ergebnisse der Ballondilatation sind am besten bei kurzstreckigen isolierten Engstellen oder Verschlüssen, z.B. im Bereich der Becken- oder Oberschenkelschlagader.




In manchen Fällen kann eine Bypassoperation (Peripherer Bypass) vorteilhafter sein. Die Engstelle wird dabei durch eine Umleitung umgangen. Auch der langfristige Erfolg einer Ballondilatation oder Bypassoperation hängt wesentlich davon ab, wie konsequent Sie gegen Ihre Risikofaktoren vorgehen. Wie lange nämlich ein Gefäß offen bleibt, wird weitgehend vom Fortschreiten der Arteriosklerose bestimmt!
Kurzstreckige Engstellen oder Verschlüsse, die für eine Ballondilatation nicht in Frage kommen, werden operativ mit einer Ausschälung und Erweiterungsplastik korrigiert. Dabei wird in Regional- oder Allgemeinnarkose die Schlagader freigelegt, kurzzeitig abgeklemmt und eröffnet.
Die Ablagerungen und Teile der betroffenen Gefäßinnenhaut werden entfernt (so genannte Endarteriektomie). Blutgerinnsel werden ebenfalls mitentfernt. Anschließend wird die Schlagader mit feinsten Nähten wieder verschlossen. Häufig wird dabei ein schmaler Streifen z.B. aus einer körpereigenen Vene oder Kunststoff eingenäht, um eine Raffung des Gefäßes durch die Naht oder eine Schrumpfung auszugleichen (sog. Streifenplastik, Patchplastik).
Liegen längerstreckige Veränderungen vor wird der erkrankte Arterienabschnitt mit einem Bypass überbrückt. Für den Bypass können eine körpereigene Vene (meist die Vena saphena magna vom Bein, die z.B. bei einer Krampfaderoperation entfernt wird) oder spezielle Kunststoffe verwendet werden. Durch Annaht des Bypass an die Schlagader vor und hinter den Engstellen/Verschlüssen wird das Blut über den Bypass umgeleitet und kann somit wieder ungehindert ins Bein abfließen. Die besten Voraussetzungen für eine Bypassoperation ergeben sich, wenn die zuführenden und abführenden Arterien noch keine arteriosklerotischen Veränderungen aufweisen.



Pflege der Beine und Füße
Für alle Patienten mit pAVK und insbesondere für Diabetiker gilt:

  • Striktes meiden jeglicher Verletzung der Füße!
  • Neu aufgetretene Wunden an den Füßen ärztlich kontrollieren lassen!
  • Fußpflege nur mit Vorsicht durchführen oder durch entsprechend geschultes Personal!

Sichern Sie den Erfolg Ihrer Gefäßbehandlung
Trotz aller modernen Behandlungsmaßnahmen müssen Sie konsequent Ihre Risikofaktoren für die arterielle Verschlußkrankheit reduzieren. Dadurch leisten Sie einen wichtigen Beitrag zum Erfolg Ihrer Gefäßtherapie. Achten Sie auf eine ausreichende Trinkmenge, halten Sie Ihr Blut flüssig. Wichtige Medikamente bei Durchblutungsstörungen sind Präparate, welche die Verklumpung von Blutplättchen hemmen (sog. Thrombozytenfunktionshemmer, z.B. Acetylsalicylsäure – ASS). Über den Einsatz spezieller Medikamente wird Sie Ihr Arzt unterrichten.

Vermeiden Sie Verletzungen
Bei Durchblutungsstörungen der Beine können selbst kleinste Verletzungen schwere Folgen haben und im schlimmsten Fall sogar zur Beinamputation führen. Besonders gefährdet sind Diabetiker! Durch eine zusätzliche Empfindungsstörung werden Schmerzreize und dadurch die Gefahren nicht oder erst sehr spät erkannt. Vermeiden Sie enge Schuhe, Barfußlaufen und gehen Sie regelmäßig zur Fußpflege. Trockene rissige Haut fördert ebenso wie feuchte aufgeqollene Haut zwischen den Zehen das Eindringen von Krankheitserregern und die Ausbreitung von Bakterien und Pilzen. Verwenden Sie keine heißen Bäder oder Wärmflaschen um kalte Füße aufzuwärmen und tragen Sie keine engen Socken mit abschnürenden Bündchen.

Beistand - Wer hilft Ihnen?

Gemeinsam geht vieles leichter. Andere haben oft die gleichen Probleme gehabt und schon längst gelöst. Sie werden ihre Erfahrungen sicher gern an Sie weitergeben. In Deutschland gibt es bereits viele Selbsthilfegruppen, die oft von einem Arzt betreut werden. Bestimmt ist eine auch in Ihrer Nähe. Sie bieten regelmäßige Treffen zum Erfahrungsaustausch an zu allen Themen rund um die PAVK. Fragen Sie Ihren Hausarzt oder Ihren Gefäßspezialisten (Gefäßchirurg, Angiologe usw.).

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