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Hilfe für eine erholsame Nacht

Erstes Schlaflabor im Landkreis eingerichtet - Medizinisch-technische Ausrüstung kostet rund 80.000 Euro

Die Augenlieder fallen zu, unkontrolliert und plötzlich. Ein Autofahrer, der dann hinterm Steuer sitzt, hat kaum eine Chance. "Sekundenschlaf ist oft eine Ursache der Unfälle", sagt Dr. Jürgen Schober, Oberarzt in der Pulmologie (Lungenheilkunde) – und seit dieser Woche ärztlicher Leiter des neuen Schlaflabors im Klinikum Garmisch-Partenkirchen. dort werden in Zukunft Patienten untersucht, die unter ständiger Müdigkeit, Kreislaufbeschwerden oder Bluthochdruck leiden. Das sind mögliche Folgen, die Schlafbeschwerden mit sich bringen.
Am Montagabend haben die ersten beiden Patienten in den neu ausgestatteten Räumen übernachtet. In diesen gibt es eine Infrarotkamera, die die Schlafenden filmt. So wird festgehalten, wie häufig sich die Person in der Nacht bewegt. Außerdem bekommen die Patienten eine Box mit Kabeln umgeschnallt, von der aus per Infrarot Signale an ein Gerät im Raum gesendet werden – die Ärzte erhalten Aufschluss über Hirnströme, Kreislauf, Augenbewegungen, Muskelentspannung, Sauerstoffsättigung und die Atmung. "Etwa sechs Prozent der 30- bis 60-Jährigen haben behandlungsbedürftige Beschwerden", sagt Schober. "Ihr gesundes Schlafprofil ist gestört." Schnarchen kann dabei ein Zeichen für Atemprobleme sein. Ebenso gibt es Patienten, die über eine Minute lang keine Luft holen. Das führt dazu, dass die Person, ohne es bewusst wahrzunehmen, immer wieder kurz aufwacht – an erholsamen Schlaf ist so nicht zu denken. Im neuen Labor können die Ursachen und die beste Behandlungsmöglichkeit herausgefunden werden. Doch können die Patienten da auch ruhig schlafen? "Ja", versichert Schober. "Und die Probleme, die sie sogar in ungewohnter Umgebung haben, sind häufig zuhause im Bett noch viel schlimmer."
Angegliedert ist die neue Abteilung beim Chefarzt der

Kardiologie, Dr. Franz Dotzer, Zentrum für Innere Medizin. Neue Räume wurden nicht benötigt. "Wir nutzen das Tagesklinik-Zentrum", erklärt Geschäftsführer Wolfgang Türk. Um 20 Uhr kommen die Patienten des Labors. Wenn sie morgen wieder gehen, beginnen die Behandlungen der Tagesklinik.
Insgesamt gibt es vier Zimmer, in denen jeweils eine Person untersucht werden kann. Die zusätzliche Ausstattung und der Computerraum zur Auswertung der Daten kosteten rund 80.000 Euro. "Damit wurden je nach Auslastung auch drei bis vier Arbeitsplätze geschaffen", betont Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender Harald Kühn. ein Teil der Arbeitskräfte ist nachts aktiv und kontrolliert den korrekten Ablauf. Die anderen Mitarbeiter werten die Daten am nächsten Tag aus. Hier ist Regina Püschel, die leitende Medizinisch-Technische Assistentin – die Garmisch-Partenkirchnerin hatte bisher in München gearbeitet. Dank des neuen Labors bekam sie einen Job in ihrer Heimat.
Auch für die Patienten ist ein Angebot geschaffen worden, das es im Landkreis bisher nicht gab. "Wir haben eine regionale Versorgungslücke geschlossen", sagt Kühn. "So ein Labor gehört einfach dazu und ergänzt unser Haus sinnvoll", bestätigt Türk.
Festgestellt werden können verschiedene Ursachen von Schlafstörungen. Spezialisiert sind die Ärzte in Garmisch-Partenkirchen auf das Phänomen der Schlafapnoe, bei der es zu Atemaussetzern kommt. Diese führen unter anderem zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck. "Wir können es nicht heilen, aber die Beschwerden lindern", erklärt der Ärztliche Direktor Dr. Johann Meierhofer. Nach der richtigen Diagnose schlafen die Betroffenen mithilfe spezieller Atemgeräte wieder tief, fest und vor allem durch. Das verhindert nicht nur den gefährlichen Sekundenschlaf – sondern bedeutet auch einen Gewinn an Lebensqualität.

Quelle: Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 10. August 2011