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Bildungsoffensive am Klinikum


Mit ihrer Vision, ein Bildungszentrum im Landkreis Garmisch-Partenkirchen aufzubauen, stieß Martina Ricci bei Forschungsministerin Annette Schavan auf offene Ohren. "Neben den Bereichen Pflege und Ergotherapie möchten wir auch neue Ausbildungszweige etablieren", erklärte die Verwaltungsdirektorin im Klinikum. Dazu zählt sie insbesondere eine Kombination aus Hotelkaufleuten und Pflegepersonal: "Die Patienten werden anspruchsvoller und suchen Ansprache", sagt Ricci. Dem könnten die Vertreter der herkömmlichen medizinischen Berufe angesichts ihrer Arbeitsbelastung gar nicht gerecht werden. Die Serviceassistenten, die sich schon jetzt um das Wohl der Patienten kümmern, dürfen hingegen bei pflegerischen Tätigkeiten nicht eingreifen. Um dieses Dilemma zu lösen und die Atmosphäre im Klinikum noch einmal zu verbessern, regte sie dieses neue Berufsfeld an. Durchaus attraktiv stellt sich Schavan, die gestern neben dem Krankenhaus auch die Umweltforschungsstation auf der Zugspitze besuchte, diese neue Möglichkeit vor. "Mich erinnert das ein bisschen an die Diskussion, aus der dann die Mechatroniker hervorgegangen sind", unterstrich die CDU- Ministerin. Die Kombination aus zwei Berufsbildern biete mehr Möglichkeiten auch zum Jobwechsel. Deshalb "nehme ich ihre Anregungen gerne mit und spreche mit meinen Fachleuten darüber".

Nicht nur dieses Thema beschäftigte Schavan bei ihrem Abstecher nach Garmisch-Partenkirchen, wo sie von Bundesabgeordneten Alexander Dobrindt und landrat Harald Kühn (beide CSU) begleitet wurde. Auch die Arbeitsweise im Klinikum, bestehende Kooperationen und die Fortführung der Sanierung in dem 42 Jahre alten Haus interessierten Schavan. "So ein Gesundheitszentrum in einem verhältnismäßig kleinen Landkreis zu haben, ist eine enorme kommunale Leistung", fand die Bundespolitikerin. Während Ricci und Kühn über die Strukturen des Hauses informierten, schilderte Dr. Helmut Lambertz, Chefarzt in der Abteilung Innere Medizin, und Dr. Christian Fulghum, Chefarzt der endogap-Klinik für Gelenkersatz, ihre Erfahrungen aus der Praxis.

Die Verbindung von Forschung und Entwicklung zum konkreten medizinischen Standort ist es, die Schavan in ihrer Arbeit einfließen lassen möchte. Konkreter Anlass ihres gestrigen Besuches ist die Fortschreibung des Gesundheitsprogramms, das sich derzeit in der Schlussphase befindet. In der demographischen Entwicklung, die auch die Mitarbeiter im Klinikum stark beschäftigt, sieht die 55-Jährige "die größte Herrausforderung für Forschung, Wirtschaft und unser Gesundheitssystem". Ein Aspekt, den Fulghum auch thematisierte, ist hierbei die Haltbarkeit von Gelenkersatz, den mittlerweile immer jüngere Patienten eingesetzt bekommen.

Dieser Bereich sei genau wie die Umweltforschung "ein Leuchtturm der Region", unterstrich Dobrindt. Nachdem das Klinikum als auch das Schneefernerhaus auf der Zugspitze aus Schavans Haus immer wieder mit Fördergeldern bedacht werden, nannte er es "äußerst positiv, dass sie uns besucht". Was hier entwickelt und erforscht werde, habe schließlich auch Auswirkungen auf politische Entscheidungen.   

Quelle: Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 17. August 2010