Ein Arzt im Dienst der Frauen
Zwei Schwerpunkte setzt Dr. Rainer Wahl in der Gynäkologie: Zum
einen will der neue Chefarzt den Entbindungsbereich "heimeliger" gestalten, zum
anderen soll die Behandlung von Brustkrebs-Patientinnen intensiviert
werden.
Im Landkreis erkranken jedes Jahr etwas 120 Frauen an Brustkrebs, circa 90
davon werden derzeit im Klinikum Garmisch-Partenkirchen behandelt. Um auch den
anderen weite Wege, beispielsweise in Münchner Krankenhäusern, zu ersparen,
plant Wahl den Ausbau des Brustzentrums nach den Kriterien der Deutschen
Krebsgesellschaft. Dazu gehöre ebenso die enge Zusammenarbeit mit den
plastischen Chirurgen der Unfallklinik Murnau, denkt der 43-jährige an mögliche
Rekonstruktionen der Brust, etwas nach einer Total-Operation. "Damit erweitern
wir unser Angebot", unterstreicht der gebürtige Stuttgarter. Entscheidend für
ihn ist, die beiden Bereiche, in den die Patientinnen derzeit noch aus dem
Landkreis abwandern, auszubauen, untermauert Wahl seine Schwerpunkte. Einen
ähnlichen "Krankenhaus-Tourismus" wie in der Onkologie beobachtet der Mediziner
im Bereich Geburten: 560 Babys kommen durchschnittlich jedes Jahr im Klinikum
auf die Welt, im Landkreis insgesamt sind es 660 bis 680 – auch diese Differenz
will Wahl verringern.
Die Abteilung hatte er schon während der Erkrankungen und nach dem Tod seines
Vorgängers, Professor Dr. Thomas Genz, kommissarisch geleitet: "Diese schwierige
Zeit hat Dr. Wahl sehr gut gemeistert", lobt Geschäftsführer Wolfgang Türk das
Engagement des Mediziners. Um die Chefarzt-Position neu zu besetzen, sei die
Stelle öffentlich ausgeschrieben worden. Der Aufsichtsrat musste sich
letztendlich zwischen 15 Bewerbers entscheiden und votierte für Wahl: "Dass er
sich hier durchgesetzt hat, zeigt auch, wie qualifiziert er ist", bescheinigt
Türk dem dreifachen Familienvater. "Bereits als Stellvertreter von Professor
Genz hat Dr. Wahl einen exzellenten Ruf genossen."
Nicht nur der Geschäftsführer des Klinikums ist mit der Entscheidung
zufrieden, sondern auch der Aufsichtsratsvorsitzende: "Das Angebot in der
Gynäkologie ist von höchstem Niveau", meint Landrat Harald Kühn. Mit dem neuen
Chefarzt bleibt man diesem Kurs treu. Um noch mehr Patientinnen an das
Garmisch-Partenkirchner Krankenhaus zu binden, möchte Wahl "die Attraktivität
der Geburtshilfe steigern". Vor allem die Entbindungsräume sollten wohnlicher
und weniger medizinisch gestaltet werden, "um den Frauen ein angenehmes Umfeld
zu bieten".
Positiv habe sich zudem ausgewirkt, dass die Kinderklinik am Klinikum
angesiedelt ist, weiß Türk. "Insbesondere für die Mütter ist das ein sehr gutes
Gefühl." Damit, dass in der Gynäkologie ein Arzt und Hebamme rund um die Uhr
Dienst tun, "heben wir uns im Vergleich mit den Nachbarslandkreisen ab", freut
sich der Geschäftsführer. "Dieses Angebot ist bis Starnberg einmalig."
Quelle: Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 19. Januar 2009 – Tanja
Brinkmann