Aber auch in ihren übrigen Funktionen nützt die gelernte Krankenschwester,
die zudem 20 Jahre Vorstandsmitglied der Dr.-Horst-Schmidt-Klinik in Wiesbaden
war, dem Klinikum. "Mit Frau Müller haben wir die großartige Situation, dass sie
an den Schalthebeln der Macht sitzt", denkt Türk daran, dass seine neue Kollegin
Präsidentin des Deutsches Pflegerats ist. Zudem fungiert die gebürtige
Tübingerin als Unternehmerin: "2002 habe ich mich selbständig gemacht und die
Deutsche PatientenHotel GmbH aufgebaut." In dieser Funktion berät sie auch
Krankenhäuser wie das Garmisch-Partenkirchner, die sich fit für die Zukunft
machen wollen. "Die Pflege ist eine der tragenden Säulen der Kliniken",
unterstreicht Müller. Dabei lässt sie aber auch die organisatorische Seite zur
Gesundheitswirtschaft nicht außer Acht. Neben einer prozessintegrierten Pflege,
ausgerichtet auf die Bedürfnisse der Patienten, legt Müller großen Wert auf die
Weiterbildung der Mitarbeiter. "Daher starten wir hier im Haus eine
Bildungsoffensive", kündigt sie an. "Wir ziehen da an einem Strang", unterstützt
sie Türk. |
 |
Zwar koste dieses Vorhaben einiges, die Investition lohne sich jedoch
unbedingt: "Unsere Mitarbeiter sind schließlich unser Kapital". Nachdem die
rund 340 Pflegerkräfte und 110 Kollegen im Funktionsdienst, das heißt
Operationsbereich, Anästhesie et cetera, Müller schon von ihrer
Beratungstätigkeit kannten, sei ihr der Einstand nicht schwer gefallen. "Ich
wurde von allen Seiten positiv aufgenommen, alle sind sehr offen." Wenn sie vor
Ort ist, sei ihr Tag zu 90 Prozent mit Mitarbeitergesprächen ausgefüllt, "so
schaffe ich eine Vertrauensbasis, auf die dann natürlich Taten folgen müssen".
Langfristig schwebt ihr vor, den Stationsleitungen mehr Kompetenz zu geben. "Das
geht nicht von heute auf morgen", aber ich möchte gerne flache Hierarchien",
erklärt sie das Modell, von dem sie sich mehr Effizienz verspricht. Außerdem
werde diskutiert, wie die Aufgabenstellung zwischen Ärzten und Pflegekräften
künftig abgegrenzt werden, "damit die Rädchen besser funktionieren". Über allen
steht für Marie-Luise Müller der Patient, an dessen Bedürfnissen sich der Ablauf
im Krankenhaus orientieren soll. |