GAP – Der Riedhauser ist ein Meister seines Fachs. Mit seinen 64 Jahren
hat er sich von der beruflichen Gärtnerei zurückgezogen. Als er 2009 mit einem
Schulterbruch im Garmisch-Partenkirchner Krankenhaus gelandet ist, zog es ihn
als erstes in den Patientengarten hinaus. Was er da sah, fand er
verbesserungswürdig. Schmötzer ging mit seinen Vorschlägen zu den
Verantwortlichen und stieß auf offene Ohren. Seit einem halben Jahr steht er bei
den Lech-Mangfall-Kliniken, die sich um psychisch erkrankte Menschen kümmern,
unter Vertrag. Chefarzt Josef Scherer sieht in der Gärtnerei eine perfekte
Ergänzung der Therapie-Palette: „Nicht alle Patienten sind von Kunst und Tanz
angetan. Denen können wir nun etwas Handfestes bieten.“ Schmötzers Schwester
ist Oberärztin für Kinder und Jugendpsychatrie an der Universitätsklinik
Frankfurt. Bei ihr holte er sich wertvollen Rat für sein Projekt. Und mit seiner
Riedhauser Nachbarin Edith Becker, die Kunsttherapeutin bei den
Lech-Mangfall-Kliniken ist, und ihren Kollegen bespricht er seien Ideen ohnehin.
Jeden Donnerstag rückt Schmötzer mit Schubkarren und Werkzeug an und sieht mit
Freude, wie sich der Garten belebt. Denn das ist sein Ziel: „Die Patienten
sollen sich dort richtig wohl fühlen und erholen. Deswegen hat er mit seiner
Therapiegruppe Birne und Ginko für Schattenplätze gepflanzt und gezielt
ausgelichtet, damit man überall auf die Berge schauen kann. Die neue
Hortensienhecke, die den Biergarten von grünen „Ruheraum“ trennt, hat sich
prächtig entwickelt. Ein Birnenspalier und Zieräpfel begrünen die Kapellenwand.
Der erfahrene Profi hat jede Maßnahme gründlich geplant: „Im Frühjahr wird der
Zwergfieder seinen Duft verströmen und die Zaubernuss wird schon im Februar mit
den ersten Blüten das triste Grau aufhellen“, kündigt er an. Überall spüren
Kranke, Besucher und Mitarbeiter die Hand des Gärtners. |
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Im kleinen Hof der Psychiatrie plätschert das Wasserspiel, „einschließlich
Graben bis zum Stromanschluss an drei Tagen mit den Patienten gebaut“, sagt
Schmötzer stolz. Schön wird es erst, wenn in zwei Jahren Moos auf den
Basaltstelen wächst und sich ganz nah daran die Clematis an den Stahlträgern
hochrankt. Es hat sich herumgesprochen, wie viel Spaß die temporären
Klinikbewohner bei dieser Arbeit haben. Auch Gerald Niedermeier, Geschäftsführer
der Lech-Mangfall-Kliniken, ist vom Engagement Schmötzers beeindruckt: „Die
Patienten halten sich bei uns auf oft monatelang auf. Es ist ganz wichtig, dass
sie Fähigkeiten trainieren, die sie für den Alltag brauchen.“ Chefarzt Josef
Scherer beobachtet, wie durch die praktische Arbeit im Garten die positive
Lebenseinstellung wächst. Er vergleicht die Therapie mit einer Reha beim
Bandscheibenvorfall: „Dort wird das Organ trainiert, bei uns die
Psyche.“ Auch nach der Erfahrung von Kunsttherapeutin Edith Becker ist der
Umgang mit Pflanzen für Menschen in einer Depression bereichernd. „Der Fokus
wird nach außen gerichtet, sie kommen weg vom Grübeln.“ Den Kranken gehe es wie
einem selbst: Im Garten kommen sie zu sich, können in der Erde buddeln, sich an
den Rosen freuen, zusehen wie etwas, das sie selbst gepflanzt haben, wächst. Das
tut gut. Die Resonanz der Patienten ist für Georg Schmötzer die schönste
Motivation. Und während seine Helfer mit der Gießkanne ausrücken, Verblühtes
abschneiden und die Birnen zählen, schmiedet er neue Pläne. Malt sich das Spiel
von Licht und Schatten in Andachtsraum aus, wenn vor dem Kapellenfenster erst
einmal ausgelichtet ist. Und wie man am Kräutereck, das er im nächsten Jahr samt
einer Natursteinmauer schaffen will, riechen, pflücken und pflegen kann. An
Grünflächen, die der „ewige Gärtner“ mit seiner Therapiegruppe unter seine
Fittiche nehmen kann, ist auf dem Klinikumsareal kein Mangel.
Quelle: Garmischer-Partenkirchner Tagblatt vom 22.10.2010 |