Gefäßtraining statt Operation?
Gefäßtraining nach Operation?
Liebe Patientin,
lieber Patient,
bei Ihnen besteht eine Gefäßerkrankung, die die Blutversorgung Ihrer Beine
deutlich reduziert. Damit erhält die Beinmuskulatur zu wenig Sauerstoff. Die
Folge davon sind auftretende Schmerzen in den Muskeln nach einer bestimmten
Belastung, also vor allem nach einer relativ genau vorhersehbaren
Gehstrecke in einem schnelleren Gehtempo. Diese schmerzfreie Gehstrecke kann je
nach Ausprägung der Gefäßverschlüsse oder Gefäßverengungen nur noch wenige
Meter betragen, manchmal aber auch vor allem auf der Ebene bei einem langsamen
Gehtempo so gut wie nicht eingeschränkt sein.
Erst bei ansteigendem Gelände oder beim Treppenlaufen beginnen die Schmerzen
und zwingen zum Stehenbleiben. Je nach noch zu bewältigender schmerzfreier
Gehstrecke teilt man die „Schaufensterkrankheit“ in verschiedene Stadien
ein. Ist die Durchblutung der Beine bereits so reduziert, dass in Ruhe
Schmerzen oder sogar nicht heilende Geschwüre vor allem an den Zehen oder
an der Ferse und am Unterschenkel auftreten, muß dem Bein durch eine
Operation wieder genügend Blut zugeführt werden, damit die Muskulatur und das
Gewebe sich erholen , Geschwüre abheilen können und das Bein seine eigentliche
Aufgabe, nämlich schmerzfreies Gehen und Laufen, erfüllen kann.
Bei den weniger ausgeprägten Durchblutungsstörungen, also bei fehlenden
Ruheschmerzen und Geschwüren, ist das Bein noch in der Lage durch ein
entsprechendes Training die Minderdurchblutung durch eine bessere
Ausnutzung des vorhandenen Blutes durch Neubildung von kleinsten Blutgefäßen und
Veränderungen des Muskelstoffwechsels auszugleichen.
Es wurde durch viele Studien nachgewiesen, dass man durch ein geeignetes
Training seine noch schmerzfreie Gehstecke von wenigen Metern auf mehrere
hundert Meter bis zu einigen Kilometern steigern kann und damit eine
erforderliche Operation vermeiden oder das Ergebnis einer durchgeführten
Operation deutlich verbessern kann.
Auch nach einer Bypass Operation ist es ganz wichtig durch ein regelmäßiges
Gehtraining das Abstromgebiet unterhalb des Bypasses zu verbessern. Dadurch
bleibt der Bypass deutlich länger offen.
Erwünschte Nebeneffekte dieses Trainings sind häufig eine verbesserte
Herzleistung, ein besserer Zuckerstoffwechsel bei Patienten mit Diabetes und
sowie günstige Auswirkungen auf den Blutdruck und den Fettstoffwechsel.
Sie haben es selbst in der Hand, ob Sie durch eigenes Handeln und
konsequentem Training Ihr Leben schmerzfreier gestalten können, Ihre
Unabhängigkeit und Ihren Aktionsradius weitgehend erhalten bzw erweitern können
und auch das Fortschreiten der Gefäßerkrankung aufhalten oder zumindest
abmildern können. Wir helfen Ihnen dabei durch entsprechende operative oder
konservative Maßnahmen.
Vorschläge zur Trainingstherapie:
Intervallgehtraining:
Zeitaufwand ca 30 min. / Tag
- Sie suchen sich eine möglichst ebene Gehstrecke, die Sie in einem für Sie
mittleren bis höheren Gehtempo ablaufen.
- Sie brauchen also einen genauen Startpunkt und laufen dann so weit,
bis Sie aufgrund der auftretenden Schmerzen (meistens in den Waden) stehen
bleiben müssen. Das ist Ihr Zielpunkt, den Sie sich gut merken müssen. (Am
besten die Meterzahl oder die Schrittzahl aufschreiben) .
- Sie wiederholen diese Strecke, laufen aber mindestens einen Schritt weiter
als bei Ihrem vorhergehenden Laufversuch trotz der auftretenden Schmerzen.
Wenn es einige Meter mehr sind, auch gut.
- Der Zielpunkt wird dadurch fortlaufend verlängert.
- Diese Übung wiederholen Sie insgesamt 3-4 Mal und absolvieren dieses
Training 2-3 Mal täglich.
- Halten Sie möglichst immer das gleiche Gehtempo.
- Haben Sie Geduld, wenn am Anfang noch keine großen Verbesserungen möglich
sind, die Muskulatur braucht Zeit um sich anzupassen. Ein gesunder Läufer kann
auch nicht sofort Marathon laufen, sondern braucht Monate bis Jahre Training
dazu.
- Wenn Sie routinierter werden, können Sie natürlich auch die Gehstrecken
verändern, können Steigungen hinauflaufen oder Treppen steigen.
- Wichtig ist: Auftretender Schmerz bzw Stehzwang und bevor Sie dann stehen
bleiben, noch mindestens 1 Schritt weiter gehen.
Auch Spitzensportler trainieren ihren Stoffwechsel und die Muskelfunktion
durch ein ähnlich konzipiertes Intervalltraining.
Andere Übungen sind Kniebeugen oder Zehenstandsübungen, die positive
Effekte haben. Dabei testen Sie zunächst Ihre maximale Anzahl von z. B.
Kniebeugen, bevor Sie vor Schmerzen aufhören müssen. Nach einer Pause von
2-3 min machen Sie nur noch 2/3 der Anzahl der Wiederholungen, das wird 3-4 Mal
durchgeführt.
Beispiel:
max. Anzahl 9 Kniebeugen
Training: 3-4 x 6 Kniebeugen mit
jeweils 2-3 min Pause dazwischen, 3 Mal am Tag
Tempo: 1
Kniebeuge/sec
Gleiches Vorgehen auch beim Zehenstand. Sie können sich dabei auch an
einem Stuhl festhalten, wenn Gleichgewichtsstörungen auftreten sollten.
Fahrradergometer bzw. Fahrradfahren:
Auch hier zunächst eine
Maximalbelastung austesten (entweder nach Wattzahl oder Tempo oder Strecke bzw.
Zeit ), dann 2/3 Belastung 3-4x mit entsprechender Pause hintereinander,
2-3
Mal am Tag.
Wichtig: Laufen Sie so viel wie möglich, keine Fahrstühle, dafür
Treppensteigen!
Wenn Sie Fragen haben, wenden Sie sich direkt an uns oder an unsere
Krankengymnasten/ Gehschule.
Zuhause besteht auch die Möglichkeit sich an eine Koronarsportgruppe
zu wenden, die es praktisch überall gibt. Teilweise gibt es
Gefäßsportgruppen, bei denen Sie unter ärztlicher Überwachung in der
Gruppe ein motivierendes Training durchführen können. Adressen erfahren Sie von
uns oder über Ihren Hausarzt.
Gefäßsportgruppen im Raum
Garmisch-Partenkirchen