Kunst kann von Sorgen ablenken. Wo wäre sie also besser aufgehoben als in
einer Klinik? So zeigen Mitglieder des Künstlerkreises "Tusculum" zum dritten
Mal auf dem Flur der Station 02 unter dem Dach der Berufsgenossenschaftlichen
Unfallklinik ihre Arbeiten unter den Titel "Malerei, das Experimental-Labor des
menschlichen Sehens". Mit eindrucksvoller Vielseitigkeit in Form, Stil und
Themen beeindruckt die frühere Apothekerin Irene Rall, die 35 Aquarelle,
Collagen und Acrylbilder für diesen Zweck ausgesucht hat. Bereits am Eingang der
Station wird der Besucher von ihrem großformatigen Bild "Begegnungen" empfangen,
auf dem eine lange Reihe von Menschen zu sehen ist, die sich zusammenfinden. Von
ganz anderer Art sind Ralls Arbeiten "Fata Morgana" und "Sphinx", bei der sie
das Gegenständliche völlig verlassen hat und ihre
Kompositionen |
 |
nur durch wenige analoge Farben auf den Betrachter wirken lässt. Weiter zu
sehen: Kreationen aus Stoff, Schnüren und Acrylfarben sowie Landschaftsaquarelle
mit Motiven der regionalen Umgebung. "Mir ist das Zusammenspiel der Farben
wichtig, nicht so sehr, was meine Bilder darstellen sollen", sagt die zweite
Ausstellerin, die Murnauerin Liselotte Glöckl. Ihre 20 präsentierten,
überwiegend gegenstandslosen Werke erinnern teils an Satellitenaufnahmen der
Erdoberfläche – einschließlich blauer Seen, Flussläufen, dunkelbraunen Mooren,
Bergen und Tälern. Fast immer ist der Gegensatz zwischen runden, weichen und
eckig-schroffen Formen zu finden, womit sie Spannungsfelder schafft. Auch
surealistische Elemente finden sich zuweilen in den Arbeiten. Die Ausstellung
läuft bis Ende August. |