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Ein Ort für Hilfe in großer Not

Palliativstation des Klinikums Garmisch-Partenkirchen offiziell eröffnet

Das Garmisch-Partenkirchner Klinikum ist um einen wichtigen Bestandteil erweitert worden: In der neuen Palliativstation sollen schwerkranken Patienten künftig die Schmerzen genommen und ein würdevoller Tod ermöglicht werden.

Die Palliativstation umfasst sechs Betten, aufgeteilt in vier Einzel- und ein Zwei-Bettzimmer. Dabei wurde viel Wert darauf gelegt, die Räume komfortabel und wohnlich auszustatten. Eine intensive Farbgebung sorgt für eine angenehme Atmosphäre. Angehörige und Freunde können die Patienten rund um die Uhr besuchen und nach Absprache dort sogar übernachten. Außerdem steht den Kranken und deren Familien eine kleine, gemütliche Küche zur Verfügung.

Bei der Einweihungsfeier sagte Landrat Harald Kühn, der auch Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums ist, dass die Grundlage für die Palliativstation ein vom Bayerischen Sozialministerium erarbeitetes Fachprogramm sei, das eine bedarfsgerechte Versorgung von schwerkranken und sterbenden Menschen sowohl in Ballungsgebieten als auch im ländlichen Raum sicherstellen soll. Mehr als zur Genüge entspreche dabei die Anzahl der Betten im Garmisch-Partenkirchner Klinikum dem Schlüssel des Sozialministeriums, wonach für eine Million Einwohner 35 Betten in der Palliativstation zur Verfügung stehen sollen. Begründen konnte die Krankenhausleitung ihren Antrag unter anderem damit, dass die nächsten Palliativstationen in Tutzing und Starnberg liegen und eine kleinere in Wolfratshausen.

 


 

Als treibende Kraft für die zügige und fachgerechte Installation der Palliativstation im Klinikum hat der Hospizverein fungiert. "Ohne dessen stetigen Ansporn wären wir heute nicht hier und nicht so weit", betonte der Chefarzt der Onkologie, Dr. Helmut Lambertz. Genaue Angaben über die bisherigen Investitionen machte er nicht, nur eine Andeutung: "Sie liegen im sechsstelligen Bereich". Klinik-Seelsorgerin Barbara Hillebrenner ergänzte: "Hier steht der ganze Mensch im Blickpunkt und diese andere Wertigkeiten verlangen auch einen anderen Abrechnungsmodus." Nur Mitgefühl und Geduld würden die Voraussetzungen schaffen, die dem sterbenden Menschen eine authentische und ehrliche Begleitung ermöglichen.
Matthias Kratz, Erster Vorsitzender des Hospizvereins, legte in seiner Ansprache den Schwerpunkt auf das Gesamtkonzept der Palliativmedizin, die dem einzelnen Menschen in seiner Verzweiflung und Ohnmacht möglichst umfassend beizustehen versucht: "Es ist gut, dass er den Ort für Hilfe in großer Not gibt." Um Sterbenden eine individuelle Ansprache und Zuwendung zu ermöglichen, bedürfe es eines Teams, das sich aus ganz unterschiedlichen, speziell geschulten Helfern zusammensetze. "Ärzte, Seelsorger, Physiotherapeuten, Psychologen, Sozialpädagogen, Pflegepersonal und die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Hospizvereins legen den behütenden Mantel um den leidenden Menschen." Damit ermögliche man dem Sterbenden eine Perspektive bis zuletzt und ein Ende in Würde. Kratz versteht diesen Ort im Klinikum nicht als Station, sondern als Anlaufstelle, um wärmende Geborgenheit und stärkende Zuversicht zu finden."

Interview mit Chefarzt Dr. Helmut Lambertz

"Den Menschen ein Sterben in Würde ermöglichen"

Was sind die Gründe für den Beschluss des Bayerischen Sozialministeriums, flächendeckende Palliativstationen zu fördern?
Dr. Lambertz: "Die Vergreisung nimmt zu, wir werden allesamt immer älter ....."

Ist auch Sterbehilfe für Sie ein Thema?
Dr. Lambertz: "Sterbehilfe wird es bei uns nicht geben, wenn wir den Menschen ein Sterben in Würde und ohne Schmerzen ermöglichen. Dabei ist es uns besonders wichtig, die Angehörigen mit einzubeziehen und zu entlasten. Der Hauptgrund für den Wunsch eines schwerkranken Patienten zu sterben, ist die Sorge, seinen Angehörigen zur Last zu fallen."

Also ist die Palliativstation keine Sterbestation?
Dr. Lambertz: "Genau, das sind wir nicht". Unser Ziel ist auch, dass Patienten nach einer Besserung ihres Zustandes nach Hause zurückkehren können. So kann in Kooperation mit dem Hausarzt und Pflegedienst eine ambulante Weiterbehandlung erfolgen, wobei eine Wiederaufnahme jederzeit möglich ist. Nur im Bedarfsfall bieten wir auch eine Begleitung bis zuletzt an."

Quelle: Garmisch-Partenkirchner Tagblatt vom 11. Okt. 2008, Andreas Röder