Plavix? Iscover? ASS? Marcumar?
Sehr geehrte Frau Kollegin,
Sehr geehrter Kollege,
bei unserem gemeinsamen Patienten wurde ein anspruchsvoller Gefäßeingriff
durchgeführt. Für den weiteren erfolgreichen Verlauf ist eine
hochwirksame Antikoagulation absolut erforderlich, die bisher nur mit
einer Marcumartherapie oder einer Vollheparinisierung zu erreichen
war. Mittlerweile gibt es Thrombocytenaggregationshemmer wie Iscover oder
Plavix (Clopidogel, Ticlopidin), die in zahlreichen Studien eine
Reduktion eines kombinierten Schlaganfall/ Herzinfarktrisikos von 20 % zeigten
im Vergleich zu einer Gabe von ASS allein. (Studien: CURE, MATCH, CAPRIE) Dabei
scheint die kombinierte Gabe von ASS und Clopidogrel einen deutlichen Vorteil
vor einer alleinigen Gabe von Clopidogrel zu haben. Es ist davon auszugehen,dass
die beschriebenen Vorteile dieser Therapie auch auf das periphere
Gefäßsystem übertragbar sind.
Wie Sie wissen, ist manchmal die Therapie mit
Marcumar bei Patienten nicht sinnvoll bzw. nicht möglich, weil entweder
medizinische Kontraindikationen bestehen oder weil die Patientencompliance
nicht gegeben ist, um eine solch differenzierte Therapie sicher durchzuführen.
Es ist Ihnen weiterhin bekannt, dass die Therapie mit Marcumar ein nicht
ganz unerhebliches Blutungsrisiko beinhaltet, besonders bei unseren meist alten
Patienten. (Begleithypertonie, etc.) .
Unter diesen Gesichtspunkten
verordnen wir zunehmend eine Kombination von ASS und Plavix oder ASS und
Iscover, da bei dieser Therapie die Blutungskomplikationen deutlich reduziert
sind.
Eine Therapie mit ASS 100, wie so häufig zu Recht verschrieben, ist
bei unseren arteriell revascularisierten Patienten oft nicht
ausreichend.
Einzige Alternative wäre die Marcumarisierung oder die Dauertherapie
mit niedermolekularem Heparin ( Gewichtsadaptiert 2x am Tag).
Sollte das von uns empfohlene Plavix oder Iscover abgesetzt werden,
muß unbedingt Marcumar oder Heparin als Ersatz verschrieben werden.
Eine alleinige Gabe von ASS kann katastrophale Auswirkungen auf die
Gefäßsituation bis hin zum Bypassverschluß mit Beinverlust zur Folge
haben.
Dieser medizinische Sachverhalt ist häufig auch den Krankenkassen nicht
bekannt, die immer wieder die Gabe von Clopidogrel in Frage stellen. Insofern
sollte Ihnen diese kleine Information auch als Argumentationshilfe dienen.
Vielen Dank für Ihre Mitarbeit!
Dr. med. Stefan Nöldeke