17.06.2026
Zentrum für moderne Krebsmedizin in Garmisch-Partenkirchen – Neue Zahlen vorgestellt
Das Klinikum Garmisch-Partenkirchen baut seine Rolle als modernes Zentrum für Krebsmedizin weiter aus – insbesondere in der Behandlung von Darmkrebs. Neue Zahlen aus dem Jahr 2025 zeigen deutlich: Die Bedeutung der spezialisierten Krebsversorgung am Standort wächst spürbar. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 630 Patientinnen und Patienten mit einer Krebs-Erstdiagnose behandelt. Gegenüber 2021 mit 481 Fällen entspricht das einem Anstieg von rund 30 Prozent.
Mehrere spezialisierte Fachabteilungen arbeiten im Klinikum eng verzahnt zusammen. Operationen erfolgen häufig interdisziplinär, Therapieentscheidungen werden gemeinsam abgestimmt. Ziel sei es, modernste Krebsmedizin mit kurzen Wegen und einer umfassenden Betreuung aus einer Hand zu verbinden.
„Täglich werden im Klinikum Garmisch-Partenkirchen mehr als hundert Krebspatienten in den verschiedenen Fachbereichen behandelt“, bestätigt Dr. Till Seiler, Chefarzt für Onkologie, Hämatologie und Palliativmedizin.
Besonders im Fokus steht dabei das Thema Darmkrebs. Zwar liegt Prostatakrebs mit 177 Neuerkrankungen weiterhin an erster Stelle, gefolgt von Brustkrebs mit 142 Fällen. Doch auch Darmkrebs gehört zu den zentralen Schwerpunkten der Krebsmedizin in Garmisch-Partenkirchen – statistisch wird nahezu jede Woche ein neuer Fall diagnostiziert.
Darmkrebs zählt europaweit zu den häufigsten Krebserkrankungen. In Deutschland erkranken nach Angaben der Mediziner jährlich rund 60.000 Menschen neu daran. Besonders gefährlich ist die Erkrankung deshalb, weil sie sich häufig über Jahre hinweg unbemerkt entwickelt. Ausgangspunkt sind oftmals zunächst gutartige Polypen im Darm, die sich langsam bösartig verändern können.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen höheres Alter, Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen, ballaststoffarme Ernährung sowie familiäre Vorbelastungen. Hinzu kommt: Frühstadien verursachen oft keinerlei Beschwerden. Warnsignale wie Veränderungen der Stuhlgewohnheiten, Blut im Stuhl, Bauchschmerzen, ungewollter Gewichtsverlust oder anhaltende Müdigkeit treten häufig erst später auf und sind zudem unspezifisch.
Umso wichtiger sei die Vorsorge, betont Dr. Vincens Weingart, Chefarzt der Gastroenterologie, Hepatologie, Stoffwechsel & Nephrologie am Klinikum: „Die wirksamste Therapie ist die Verhinderung durch Vorsorge. Die Darmspiegelung gilt als Goldstandard der modernen Medizin und kann Leben retten. Eine Stunde Untersuchung und etwas Vorbereitungszeit können Operationen, Chemotherapie und viele weitere Arztbesuche vermeiden. Prävention statt späterer Therapie – das ist moderne Vorsorgemedizin.“
Die sogenannte Koloskopie gilt weiterhin als wichtigste Methode zur Früherkennung. Dabei können bereits Vorstufen von Darmkrebs erkannt und entfernt werden, bevor sich überhaupt ein Tumor entwickelt. Ergänzend kommen moderne Stuhltests zum Einsatz. Wird Darmkrebs frühzeitig erkannt, bestehen heute vielfach sehr gute Heilungschancen.
Auch therapeutisch habe sich die Behandlung in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. „Dank moderner molekularpathologischer Diagnostik verstehen wir den Darmkrebs heute wesentlich besser. Dieses biologische Verständnis hilft uns, die Behandlungsansätze passgenau auf das individuelle Profil der Patientinnen und Patienten abstimmen, wodurch die modernen Therapieformen wirksamer und besser verträglich werden“, erklärt Dr. Till Seiler.
Im Klinikum Garmisch-Partenkirchen werden Darmkrebsoperationen regelmäßig durchgeführt – vielfach minimalinvasiv in sogenannter Schlüssellochtechnik. Moderne robotisch assistierte Verfahren ermöglichen dabei besonders präzise und schonende Eingriffe.
Je nach Geschlecht unterscheiden sich Behandlung und Therapie – sowohl bei medikamentösen Ansätzen als auch bei chirurgischen Eingriffen. Denn Hormonhaushalt, Anatomie, Stoffwechsel und Immunreaktionen beeinflussen den Krankheitsverlauf maßgeblich. Frauen und Männer sind zwar gleichermaßen von Darmkrebs betroffen, jedoch nicht in gleicher Weise: Frauen leben im Durchschnitt länger und nehmen Vorsorgeangebote häufiger wahr, während Männer statistisch früher und häufiger an Darmkrebs erkranken. Zudem unterscheiden sich Symptome, Tumorbiologie und Therapieansprechen zwischen den Geschlechtern.
„Das männliche Becken ist häufig enger, was Operationen im Enddarmbereich technisch anspruchsvoller macht. Die moderne Darmkrebschirurgie ermöglicht durch minimalinvasive und robotisch assistierte Verfahren eine präzise und schonende Behandlung mit weniger Schmerzen und schnellerer Erholung. Durch die enge Zusammenarbeit mit Onkologie und Strahlentherapie können heute auch fortgeschrittene Erkrankungen, Metastasen und Rezidive erfolgreich behandelt werden“, erläutert Prof. Dr. Martin Angele, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral-, Thorax- & Onkologische Chirurgie. Die modernen Operationsverfahren würden jedoch auch in solchen Fällen sehr präzise Eingriffe ermöglichen.
Die Behandlung von Darmkrebs erfolgt je nach Stadium individuell. Neben operativen Eingriffen kommen häufig kombinierte Chemo- und Strahlentherapien zum Einsatz. Gleichzeitig sehen die Mediziner eine gesunde Lebensweise und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen weiterhin als wichtigste Maßnahmen zur Risikosenkung.
Die steigenden Patientenzahlen wertet das Klinikum als Zeichen für die zunehmende Bedeutung moderner Krebsmedizin – aber auch als Ausdruck des gewachsenen Vertrauens vieler Patientinnen und Patienten in die spezialisierte Versorgung am Standort Garmisch-Partenkirchen.
Bild: v. l.: Chefarzt Prof. Martin Angele, Chefarzt Dr. Vincens Weingart, Chefarzt Dr. Till Seiler am Patientenbett bei der Visite.

